Der Prinz aus Atrithau

Der Krieg der Propheten 2

Das könnte Sie interessieren

Shadowmarch

Die gesamte Saga: GOLDEDITION – Limitierte Sonderausgabe
Dieses Buch erwerben
gebunden mit Schutzumschlag
leider vergriffen
Versandkostenfrei nach D, CH, A; hier inkl. Mwst. - >> Lieferinformationen - Einzelheiten zu Ihrem Widerrufsrecht finden Sie in den >> AGBs. - >> Akzeptierte Zahlungsmittel

Der Heilige Krieg steht auf Messers Schneide: Wie ein Lauffeuer breitet sich das Gerücht von einem »Kriegerpropheten« unter den Gläubigen aus. Ist er ein gefährlicher Ketzer? Oder der einzige, der die Zweite Apokalypse abwenden kann?

Die Anführer des Inrithi-Glaubens haben den heidnischen Fanim den Krieg erklärt, mit dem Ziel, die Heilige Stadt Shimeh zu befreien. So sammelt sich eine gewaltige Heerschar, deren Aufbruch sich jedoch aufgrund der Machtkämpfe innerhalb des Adels verzögert. Erst als überraschend der Steppenkrieger Cnaiür, Häuptling der heidnischen Scylvendi, zum Heerführer erklärt wird, setzt sich die Armee in Bewegung.

Unterdessen haben sich auch der Hexenmeister Achamian, die Hure Esmenet wie viele andere dem Kriegerpropheten Anasûrimbor Kellhus angeschlossen. Ihm scheint es bestimmt, als Nachfahr des letzten königlichen Geschlechts die Herrschaft über das ganze Land an sich zu reißen. Doch Kellhus hütet ein dunkles Geheimnis, und nur Achamian ahnt, dass seine Ankunft eine Zweite Apokalypse einläutet.

Leidenschaftliche Gefühle, gewaltige Schlachten und eine Welt, wie sie detailreicher und überzeugender in der Fantasy nur selten geschildert wurde, machen »Der Prinz aus Atrithau« zu einem unvergesslichen Leseerlebnis. 

Leseprobe
6. KAPITEL
DIE EBENEN VON MENGEDDA
Ein Hexenmeister zählt, wie die Alten sagen, in der Schlacht so viel wie tausend Krieger und in der Hölle so viel wie zehntausend Sünder.
Drusas Achamian: Handbuch des Ersten Heiligen Kriegs
Wenn Schilde zu Krücken werden und Schwerter zu Stöcken, geht manches Herz zu Schanden.
Wenn Frauen zu Beute werden und Feinde zu Lehnsmännern, kommt alle Hoffnung abhanden.
Anonymus: Klagelied für die Besiegten
Nahe den Ebenen von Mengedda, Frühsommer 4111
Es tagte. Die Hörner der Galeoth und Tydonni tönten durch die klare Luft und klangen in hohen Lagen wie Frauengekreisch.
Das Signal zur Schlacht.
Trotz tausender Reiter der Fanim und dutzender Scharmützel hatten sich die Heere der Galeoth, Tydonni und Thunyeri am Vortag in den Hügeln nördlich des Schlachtfelds wiedervereint. Nach ihrer Versöhnung verständigten sich Coithus Saubon und Hoga Gothyelk darauf, noch am gleichen Abend den Nordrand der Ebenen zu besetzen, um sich dadurch - wie sie hofften - einen möglichst großen Vorteil zu verschaffen. Besser als dort, so fanden sie, könnten sie nicht stehen. Nach Nordosten war ihre Flanke durch Salzsümpfe geschützt, während sie sich im Westen auf die Hügel verlassen konnten. Eine Senke, durch die ein Bach floss, der die Sümpfe speiste, zog sich kurvenreich von einer Flanke zur anderen. Oberhalb der Senke wollten sie die Schlachtreihe aufstellen. Der Hang war zwar nicht steil genug, um einen Angriff abzufangen, doch die Heiden waren gezwungen, sich zunächst durch den Dreck zu kämpfen.
Sie hatten Ostwind, und die Männer schworen, das Meer riechen zu können. Einige wenige machten sich Gedanken über den Boden unter ihren Füßen. Sie fragten ihre Kameraden, ob sie auch unruhig geschlafen oder ein leises Geräusch vernommen hätten, das wie das Vergehen von Gischt am Strand klang.
Die Grafen des Mittleren Nordens versammelten die Mitglieder ihrer Adelshäuser und ihre Lehnsmänner, die wiederum ihre Hintersassen antreten ließen. Haushofmeister gaben brüllend über den Lärm hinweg Befehle. Überall waren Jubelrufe und raues Gelächter zu hören sowie das dröhnende Hufgetrappel von Scharen junger Ritter, die - schon berauscht - nach Süden sprengten, um unter den Ersten zu sein, die die Heiden zu Gesicht bekämen. Tausende liefen auf dem flachgedrückten und zertrampelten Gras hin und her und waren emsig damit beschäftigt, sich gefechtsbereit zu machen. Ehefrauen und Konkubinen umschlangen ihre Männer. Tempelpriester führten Massen von Kriegern und Gefolge durchs Gebet. Tausende knieten auf dem Rasen, murmelten laut, was sie von den Schriftrollen ihrer Ahnen ablasen, und küssten die morgenkühle Erde. Kultpriester stimmten alte Riten an und salbten Götzenbilder mit Blut und kostbaren Ölen. Habichte wurden Gilgaöl geopfert, Antilopenschenkel in Feuer geworfen, die dem Gott Husyelt, dem Dunklen Jäger, geweiht waren. Auguren warfen Knochen. Wundärzte desinfizierten Messer überm Feuer und bereiteten ihr Verbandszeug vor.
Die Sonne stieg strahlend über den Horizont und tauchte das Durcheinander in goldenes Licht. Standarten wehten lustlos im Wind. Fußsoldaten sammelten sich in verschieden großen Haufen und bezogen ihren Platz in der Schlachtreihe. Berittene Truppen stellten sich zwischen ihnen auf. Ihre Waffen blitzten, und auf ihren Schilden leuchteten bedrohliche Totems und Bilder des Stoßzahns.
Plötzlich ertönten Rufe unter denen, die sich schon entlang der Senke versammelt hatten. Der ganze Horizont schien sich zu bewegen und funkelte wie mit Silberspänen bestäubt. Die Heiden. Die Granden der Kianene aus Gedea und Shigek.
Mit Flüchen und donnernden Befehlen brachten die Grafen und Lehnsleute des Mittleren Nordens ihre Männer dazu, sich direkt am Hang der Senke zu postieren. Das Tal des Bachs hatte sich bereits in ein schwarzes, schlammiges Becken voll tiefer Hufabdrücke verwandelt. Am Südrand der Senke - vor den Reihen der Fußsoldaten also - sammelten sich die Ritter der Inrithi zu großen Haufen. Schreie des Entsetzens erhoben sich, als die vorderen Reiter im Gras Knochen entdeckten, die in verrottetem Leder und Leinen steckten: die Reste eines früheren Heiligen Kriegs.
Vielerlei Hymnen wurden angestimmt, vor allem von einfachen Fußsoldaten, doch die Sänger gerieten bald ins Stocken und schlossen sich einem kehligen Lobgesang an. Bald dröhnte die Luft im Chor von Tausenden. Die Hornisten begleiteten die Refrains mit ihren volltönenden Instrumenten. Selbst die Adligen stimmten mit ein, während sie sich zu eisernen Formationen ordneten:
Zum Kriegführen sind wir gekommen,
Und ein Gemetzel werden wir anrichten.
Und am Abend werden die Götter
Aus unseren Augen schauen!
Dieses Lied war so alt wie der Alte Norden und stammte aus den Sagas. Als die Inrithi es erneut anstimmten, spürten sie, wie der Ruhm der Vergangenheit auf sie überging und sie stärkte. Tausend Stimmen und ein uraltes Lied. Noch nie hatten sie sich so verwurzelt, so sicher gefühlt. Die Worte trafen viele wie eine Erleuchtung. Tränen flossen über sonnenverbrannte Wangen. Leidenschaft flammte auf und rauschte durch die Reihen, bis Männer unverständliche Worte brüllten und das Schwert gen Himmel schwangen. Sie waren zu Tausenden, und sie waren eins.
Und am Abend werden die Götter
Aus unseren Augen schauen!
Mit der Morgenröte als Schutzschild ritten die Kianene los, um sie anzugreifen. Während die Norsirai unter einem wolkigen Himmel und in düsteren Wäldern aufgewachsen waren, waren die Kianene die gleißende Sonne von Geburt an gewohnt, und der grelle Morgen schien ihnen Ruhm zu verheißen. Sonnenlicht blitzte von ihren silbernen Helmen. Die Seidenärmel ihrer Khalats schimmerten und ließen ihre Reihen zu einem vielfarbigen Horizont werden. Hinter ihnen dröhnten Trommeln.
Und die Inrithi sangen:
Und am Abend werden die Götter
Aus unseren Augen schauen!
Saubon, Gothyelk und die übrigen Hochadligen berieten sich ein letztes Mal, ehe sie sich über die Schlachtreihe verteilten. Trotz aller Anstrengungen blieb sie ungleichmäßig und war manchmal furchtbar dünn, dann wieder unsinnig tief gestaffelt. Zwischen den Lehnsmännern verschiedener Herren brachen Streitereien aus. Ein Mann namens Trondha aus dem Gefolge des Anfirig musste zu Boden gerungen werden, nachdem er mit dem Messer auf einen Kameraden losgegangen war. Und noch immer donnerte das Lied so laut, dass einige sich an die Brust griffen und fürchteten, ihr Herz werde aus dem Rhythmus geraten.
Zum Kriegführen sind wir gekommen,
Und ein Gemetzel werden wir anrichten.
Die Kianene kamen näher. Zigtausende von Reitern - anscheinend weit mehr, als die Anführer der Inrithi vermutet hatten - waren über den ganzen Horizont der graugrünen Ebenen verteilt und rückten heran. Ihre Trommeln dröhnten weithin durch ein Meer grollender Klänge. Die Bogenschützen der Galeoth, hauptsächlich Agmundrmänner aus den nördlichen Grenzgebieten, legten die Eibenholzbögen an und schossen ihre Pfeile ab. Einen Moment lang hatte der Himmel ein Reetdach, und ein dünner Schatten tauchte in die vorrückende Linie der Heiden ein, zeigte aber kaum Wirkung. Die Fanim waren jetzt so nah, dass die Inrithi die geschliffenen Knochen ihrer Bögen erkennen konnten, ihre eisernen Lanzenspitzen und ihre breitärmeligen, im Wind flatternden Mäntel.
Und die frommen Ritter des Stoßzahns, die blauäugigen Krieger aus Galeoth, Ce Tydonn und Thunyerus sangen. Sie sangen, und die Luft zitterte, als wäre der Himmel ein steinernes Gewölbe. Und am Abend werden die Götter Aus unseren Augen schauen!
Mit dem Ruf »Ehre dem Gott!« preschten Athjeäri und seine Lehnsmänner aus der Formation, kauerten sich tief auf ihren Pferden vor und senkten langsam die Lanzen. Krieger weiterer Adelshäuser wie Wanhail, Anfirig, Werijen Großherz und selbst der alte Gothyelk verließen die Schlachtordnung, ritten donnernd auf die Kianene zu und brüllten dabei: »Gott will es!« Wie eine Lawine folgte Adelshaus auf Adelshaus, bis fast die gesamte Kavallerie des Mittleren Nordens auf den Feind zustürmte. »Da!«, riefen die Infanteristen, wenn sie von ihrer Schlachtreihe aus den roten Löwen Saubons oder den schwarzen Hirsch von Gothyelk und seinen Söhnen erblickten.
Die Angreifer spornten ihre massigen Schlachtrösser aus dem Trab in einen langsamen Galopp. Nistende Drosseln flogen hektisch zum Himmel auf. Alles war nur noch Atem und Eisen, und vorne, hinten, rechts und links donnerten die Pferde der Kameraden voran. Plötzlich gingen Pfeile wie ein Heuschreckenschwarm über ihnen nieder. Dem folgte ein Höllenlärm, der mit Pferdegewieher und erstaunten Schreien gespickt war. Schlachtrösser stürzten stolpernd zu Boden und warfen dabei ihre Reiter ab. So mancher brach sich das Rückgrat oder die Beine.
Dann verflog der Irrsinn. Wieder waren nur das Donnern des Angriffs und die seltsame Kameradschaft von Männern zu spüren, die von einer einzigen, fatalen Absicht besessen waren. Kleine Hügel, Gestrüpp und die Knochen der Gefallenen des Gemeinen Heiligen Kriegs rasten unter ihnen vorbei. Der Wind blies durch Kettenhemden, zerzauste die Zöpfe der Thunyeri und die Helmbüsche der Tydonni. Helle Banner wehten durch die Luft. Die boshaften und gemeinen Heiden kamen immer näher. Ein letzter Pfeilhagel ging diesmal fast waagerecht nieder und schlug gegen Schild und Rüstung. Einige Kämpfer stürzten aus dem Sattel und bissen sich beim Aufschlagen die Zungenspitze ab. Die Abgeworfenen krümmten sich im Gras, schrien und hoben drohende Fäuste zum Himmel. Verwundete Pferde schäumten im Todeskampf. Die Übrigen aber donnerten weiter durchs Gras und über blühende Kreuzblumenfelder, die im Wind wehten. Zwanzigtausend Männer in Kettenhemden über dickem Filz senkten die Lanzen. Sie trugen Helme und ritten Rösser, die durch gepanzerte Schabracken geschützt waren. Die Angst entlud sich im Rausch der Geschwindigkeit, einem ungemeinen Schwung, und vermischte sich so mit Hochgefühl, dass sie kaum noch davon zu unterscheiden war. Die Männer des Stoßzahns waren ganz wild auf den Angriff. All ihre Aufmerksamkeit ruhte auf ihrer glitzernden Lanzenspitze. Und das Ziel kam näher und näher.
Das Donnern der Hufe und Trommeln übertönte das Singen. Sie brachen durch eine dünne Wand aus Gerbersträuchern ... und blickten in vor plötzlichem Schreck weit aufgerissene Augen.
Dann der Aufprall. Das krachende Splittern von Holz, wenn Lanzen sich durch Schilde und Rüstungen bohren. Plötzlich war der Boden unter ihnen starr und fest, und von überallher waren Jammerschreie zu hören. Hände zogen Schwert oder Axt. Überall kämpften Gestalten und schlugen aufeinander ein. Pferde bäumten sich auf. Klingen ließen Blut spritzen.
Die Kianene fielen, überrollt von der Wucht ihrer Gegner. Als ihre Kameraden erkannten, dass sie auf hoffnungslosem Posten kämpften, flohen sie vor dem Gemetzel.
Galeoth, Tydonni und Thunyeri stießen einen mächtigen Schrei aus und setzten ihnen nach. Die Tempelritter hingegen brachten ihre Pferde zum Stehen und schienen verwirrt.
Die Ritter der Inrithi gaben ihren Schlachtrössern die Sporen, doch die Fanim entkamen ihnen und hatten noch Zeit, sie dabei mit Pfeilen einzudecken. Plötzlich verschwanden sie in einer anstürmenden Woge heidnischer Reiter, die viel besser gerüstet waren. Die beiden Hauptangriffslinien stießen aufeinander. Die orange-schwarze Standarte des Grafen Hagarond von Üsgald verschwand im Tumult, und der Adlige aus Galeoth stürzte tödlich getroffen vom Pferd. Ein Lanzenstich durch die Kehle hob Magga, einen Cousin von Skaiyelt, aus dem Sattel und warf ihn zu Boden. Selbst Gothyelk stürzte vom Pferd, und das Brüllen seiner Söhne durchdrang das Getöse. Die klagenden Schreie der Fanim wurden immer lauter.
Aber Krieg war ein blutiges Geschäft, und die Ritter hämmerten auf ihre Feinde ein, spalteten ihnen trotz Helm den Schädel und zerbrachen hölzerne Schilde und die Arme derer, die sie hielten. Yalgrota Sranchammer trennte einem Pferd der Heiden mit einem Hieb den Kopf ab und warf Granden der Fanim aus dem Sattel wie Kinder. Werijen Großherz, der Graf von Plaideöl, sammelte seine Tydonni und trieb die Heiden auseinander, die Gothyelk angriffen. Am Boden schlachtete Goken der Rote, der Graf von Cern Auglai, Männer und Pferde ab und kämpfte sich zu seiner bedrängten Standarte durch. Nie waren die Kianene solchen Männern und einer so wütenden Entschlossenheit begegnet. Braungebrannte Wüstengesichter lagen wimmernd im Gras. Falkenaugen verloren vor Furcht die Übersicht.
Unvermittelt ließ das Kampfgetöse kurz nach.
Lehnsmänner brachten ihre verwundeten Herren in Sicherheit. Der am Arm verletzte Graf Cynnea von Agmundr schimpfte auf seine Verwandten ein, ihn nicht wegzuziehen. Graf Othrain von Numaineiri weinte, als er die alte Standarte seiner Familie aus den leblosen Händen seines Sohns nahm und aufs Neue hob. Prinz Saubon brüllte nach einem anderen Pferd. Auf der Ebene, über die sie gerade erst geritten waren, stolperten oder krochen Männer herum und tasteten - in der Hoffnung, sie zu stillen - an ihren Wunden. Die meisten aber jubelten begeistert, denn der Wahnsinn der Schlacht hatte sie gepackt, und der grausame Gilgaöl galoppierte in ihrem Herzen.
Ihr Feind war nicht nur vor ihnen, sondern kam auch mächtig über die Flanken. Gewaltige Truppen schwenkten nur ein kurzes Stück entfernt herum und griffen sie von hinten an: Die Granden von Gedea und Shigek - herrlich anzuschauen in ihren seidenen Khalats und goldenen Brustpanzern - attackierten die Ritter der Inrithi erneut.
Von allen Seiten bedrängt, fielen die Männer des Stoßzahns. Lanzen trafen sie von hinten; Haken holten sie vom Pferd, und sie wurden über den Haufen geritten; an Spitzhacken erinnernde Äxte durchschlugen ihre Kettenhemden; Pfeile fällten stolze Schlachtrösser; Sterbende schrien nach ihren Frauen und Göttern; die vertraute Stimme eines Cousins, eines engen Freundes, eines Bruders oder des Vaters durchdrang mit einem verzweifelten Schrei das Chaos; die purpurrote Standarte des Grafen Kothwa von Gaethuni kippte, erhob sich wieder und verschwand dann für immer - genau wie Kothwa und fünfhundert seiner Tydonni; auch der schwarze Hirsch von Agansanor wurde uberwaltigt und zu Boden getrampelt; Gothyelks Manner wollten ihren verwundeten Herrn wegziehen, starben aber in einem Schwarm feindlicher Reiter. Nur ein tollkuhner Angriff seiner Sohne rettete den alten Grafen, wobei Gotheras, sein Altester, allerdings am Oberschenkel getroffen wurde.
Durch das Schlachtgetose vernahmen die Grafen und Lehnsmanner des Mittleren Nordens Horner, die zum Ruckzug bliesen, doch es gab keinen Ort, an den sie sich hatten zuruckziehen konnen. Johlende Massen heidnischer Reiter hatten sie umzingelt, deckten sie mit Pfeilen ein, rollten ihre Flanken auf und taten ihre unkoordinierten Attacken mit einem Achselzucken ab. Wohin sie auch sahen: Uberall prangten die seidenen Standarten der Fanim mit ihren seltsamen, goldgestickten Tieremblemen. Und das endlose, unheimliche Trommeln gab den Rhythmus ihres Sterbens vor. Plotzlich aber und ganz unerwartet zerstreuten sich die Truppen der Kianene, die eben noch den Ruckzug blockiert hatten, und weis gekleidete Tempelritter sprengten zwischen die Inrithi und riefen: »Flieht, Bruder! Flieht!«
In Panik geratene Ritter galoppierten, rannten oder stolperten ihren Landsleuten entgegen. Blutige Scharen taumelten durch die Senke und rannten die eigenen Leute uber den Haufen. Die Tempelritter kampften noch ein wenig weiter, rissen dann ihre Pferde herum und jagten zuruck . verfolgt von heidnischen Reitermassen, die ihnen als heulender Sturm aus Lanzen, Schilden, dunklen Gesichtern und schaumenden Pferden folgten, wobei dieser Sturm so breit war wie der Horizont. Hunderte von Verwundeten humpelten uber das Schlachtfeld und wurden nur einen Steinwurf vor der Hauptlinie niedergestreckt.
Die Manner des Stoszahns konnten nur entgeistert zuschauen. Ihr Lied war verstummt. Sie horten nur das Drohnen, Drohnen, Drohnen der feindlichen Trommeln.
Grenzenlose Furcht und die Heiden hatten sie gepackt.

»Wir hatten sie doch schon!«, schrie Saubon und spuckte Blut. Gotian packte ihn bei den Schultern. »Ihr hattet gar nichts, Dummkopf. Nichts! Ihr kennt doch die taktische Grundregel: Wenn Ihr Eure Gegner uberrannt habt, kehrt zum Ausgangspunkt des Angriffs zuruck!«
Nachdem er sich muhsam durch den Matsch des Bachs hinter die eigenen Linien gerettet hatte, hatte Gotian den Prinzen von Galeoth gesucht, der jedoch tobsuchtig geworden zu sein schien.
»Aber wir hatten sie doch!«, brullte Saubon.
Auf einen plotzlichen Schrei hin hob Gotian reflexartig den Schild, wahrend Saubon einfach weitertobte. »Sie sind wie Kinder zusammengeklappt ...«, wutete er, wahrend es klapperte, als wurde es auf ein Kupferdach hageln. Manner schrien. »... wie Kinder. Wir haben sie in Grund und Boden gemetzelt!«
Ein heidnischer Pfeil steckte in Saubons Brust. Einen Moment lang hielt der Hochmeister ihn fur tot, doch der Prinz langte nur nach dem Pfeil und brach ihn entzwei. Er hatte sein Kettenhemd durchbohrt, war aber vom Filz darunter abgefangen worden.
»Wir hatten sie!«, brullte Saubon immer wieder.
Gotian packte ihn erneut und schuttelte ihn. »Hort mal!«, rief er. »Genau das habt Ihr glauben sollen! Die Kianene sind zu geschickt, zu geschmeidig und zu leidenschaftlich, um wirklich unterzugehen. Wenn man sie attackiert, dann, um sie bluten zu lassen, aber nicht, um sie in die Flucht zu schlagen!«
Saubon sah ihn dumpf an. »Ich hab uns ins Verderben gesturzt.« »Jetzt reist Euch mal zusammen!«, brullte Gotian. »Wir sind nicht wie die Heiden. Wir sind hart, nicht geschmeidig. Wir brechen durch! Gothyelk ist verwundet, vielleicht todlich! Ihr musst seine Manner um Euch sammeln!«
» Ja ... sammeln ...« Plotzlich leuchteten Saubons Augen, als wurde ein helleres Feuer in ihm lodern. »Das Schicksal meint es gut mit mir!«, rief der Prinz. »Das hat er gesagt!« Gotian konnte ihn nur verblufft mustern.
Coithus Saubon - ein Prinz von Galeoth und siebter Sohn des alten Fuchses Eryeat - brullte nach seinem Pferd.

Die Lanzenreiter der Fanim brandeten zu Abertausenden in grosen Wellen gegen die Schlachtreihe der Inrithi an - und prallten an ihr ab.
Pikenträger der Galeoth und der Tydonni schlitzten den gegnerischen Pferden die Eingeweide auf. Tätowierte Nangael aus dem Norden von Ce Tydonn knüppelten im Morast auf die vom Pferd Gestürzten ein. Agmundrmänner schossen mit ihren todbringenden Eibenholzbögen Pfeile durch Schilde und Brustpanzer. Auglishmänner aus den tiefen Wäldern von Thunyerus scherten aus ihrer Formation aus, als die Fanim flohen, und bewarfen sie mit Kriegsbeilen, die wie Libellen durch die Luft schwirrten.
[...]
»Der Heilige Krieg steht auf Messers Schneide. Epochale Fantasy. Auch Band 2 zieht in die ewige Fantasy-Walhalla ein.«
Alex Dengler, Bild am Sonntag, 6.5.2007

»Ein starkes, zurecht hochgelobtes Fantasyepos, das in der stilsicheren Übersetzung von Andreas Heckmann und dank einer wunderschönen Aufmachung begeistert. Der dritte Teil wird sehnsüchtig erwartet, der zweite hiermit nachdrücklich empfohlen.«
media-mania.de, 4.5.2007
Hobbitpresse Aus dem Englischen von Andreas Heckmann (Orig.: The Prince of Nothing 2. The Warrior Prophet)
1. Aufl. 2007, 704 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen, bedruckte Vorsätze
ISBN: 978-3-608-93784-8

R. Scott Bakker

R. Scott Bakker wurde 1967 als Sohn eines Tabakpflanzers in Simcoe, Kanada geboren und verbrachte seine Jugend damit, die Wälder im Norden des Lake ...

Weitere Bücher von R. Scott Bakker



Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de