Alexandria

Schicksale einer antiken Weltstadt
Buchdeckel „978-3-608-94329-0
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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Hauptstadt des Ptolemäerreiches: 331-30 v.Chr.
Ein folgenreicher Traum - Alexander und die Gründung Alexandrias Auf dem Schachbrett - eine erste Wanderung durch Alexandria Vom Mythos geprägt - das Umland Wohltäter, Fettwanst, Flötenspieler - die Ptolemäer und ihre Hauptstadt "Vielstadt" - die Bevölkerung Alexandrias "Alles ist zum Besten geordnet" - der Reichtum der Ptolemäer "Die Schlüssel Ägyptens" - der Hafen von Alexandria Isis und Sarapis - Ägyptens Götter werden griechisch Das Wissen der Welt - die Universität und ihre Bibliothek "Im Käfig der Musen" - die Erde wird vermessen, Homer ediert, der Mensch seziert "Verderbenbringendes Alexandria" - Kleopatra als Königin der Könige

Die Provinzhauptstadt: 30 v.Chr. - 284 n.Chr.
"Der Kopf Ägyptens" - die Veränderungen durch Augustus "Wer könnte alle Vorteile aufzählen?" - die Garnisonstadt Nikopolis Kaisertempel, Kaiserkanal - ein zweiter Rundgang durch Alexandria "Retter und Wohltäter des ganzen Menschengeschlechts" - die lebenden Götter "Der Geldadel" - die Juden Alexandrias Vom Stadtteil D zum Ghetto - der Aufstand des Jahres 38 "Traian rottete sie in Ägypten aus" - Alexandria und die jüdischen Unruhen "Ich bin der Nil" - die Wunderheilungen Vespasians Station einer Kaiserreise - der Besuch des Reisekaisers "Alle 1.461 Jahre" - das Erscheinen des Phönix Gefahr aus dem Sumpf - der Aufstand der Hirten Der neue Sarapis - Septimius Severus in Alexandria Das "Blutbad" - der Aufenthalt Caracallas "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist" - der Bischof Dionysius von Alexandria Kleopatra ante portas? - Alexandria wird palmyrenisch

Der Sitz des Patriarchen: 284-641 n.Chr.
"Alexandria die Große" - ein dritter Rundgang "Die mächtigste Gruppe" - die Reeder Alexandrias "Die kriegsliebenden Alexandriner" - der Usurpator Domitius Domitianus Eine "neue" Religion - die christlichen Gemeinden "Wesensähnlich" oder "wesensgleich" - Arius und sein kirchlicher Sonderweg Getreide als Waffe im Kampf um den Glauben - Athanasius "Der Tag der Furcht" - das Erdbeben des Jahres 365 Auf dem Weg zur Mehrheit - die Zerstörung des Sarapeion Cyrus gegen Sarapis - der Kampf geht weiter Der Konflikt wird blutig - die Ermordung der Hypatia "Unter wilden Tieren" - die alexandrinischen Krankenwärter Eine Prügelei für Isis - das Heidentum im 5. Jahrhundert Straußenbälge für den Glauben - die Entscheidung von Chalcedon "Die christusliebende Stadt" - doch welcher Christus? "Ich habe die große Stadt des Abendlandes erobert" - Epilog

Anhang
Anmerkungen Zum Wert des Geldes Bildnachweis Danksagung Namenregister Sachregister



Leseprobe


Der Konflikt wird blutig - die Ermordung der Hypatia

"Die Statthalter ziehen in jene Stadt mit Angst und Zittern ein, denn sie fürchten die Gerechtigkeit der Bevölkerung. Diese scheut sich nämlich nicht, Fackeln und Steine gegen den Statthalter zu werfen, wenn sie ihn für schuldig halten." 1

Im streitsüchtigen Alexandria mußten sich nicht nur die Statthalter mühsam ihre Position erkämpfen, für die Bischöfe galt ähnliches. Kaum eine Bischofswahl war hier unumstritten. Die in Alexandria in dieser Hinsicht regelmäßig auftretenden Schwierigkeiten resultierten aus der dortigen Praxis, daß der Bischof von den Presbytern gewählt wurde, die auf diese Weise nach Auskunft des Kirchenvaters Hieronymus lange eine herausragende Rolle innehatten. Je größer aber das Wahlgremium war, desto größer wurde auch die Möglichkeit, daß die unterlegene Gruppierung stark genug war, um der Gegenseite erheblich zuzusetzen oder sogar einen eigenen Bischof zu unterstützen. Mit Melitianern, Arianern und Athanasianern waren im 4. Jahrhundert mindest drei starke Gruppierungen in der Stadt vertreten.

Und dann war da noch das Kirchenvolk, das nicht nur Statthaltern das Leben zur Hölle machen konnte. Es gab zwar keine kirchenrechtlich festgelegte Beteiligung der Laien an der Bischofswahl, aber man erwartete in aller Regel Akklamationen nach der Weihe, die als Zustimmung der Bevölkerung gewertet wurden. Man begrüßte den Neugeweihten mit Ausrufen wie: "Er ist ein guter frommer Christ! Er ist ein Asket! Er ist ein wahrer Bischof!" 2 Die Sitte solcher Akklamationen hatte sich so sehr im Bewußtsein der Menge eingeprägt, daß das Volk glaubte, es gehe nicht mehr rechtens zu, wenn sie fehlten. Im 516 war Dioskorus II. durch kaiserliche Gesandte, den Klerus und die Nachbarbischöfe inthronisiert worden; wegen der gerade im 6. Jahrhundert nicht seltenen Unruhen hatte man auf öffentliche Aktionen verzichtet. Nun verlangten die Laien eine Wiederholung der Bischofsweihe mit ihrer Beteiligung.

Einem unpopulären Kandidaten konnte statt dessen ein "Das ist der neue Judas!" entgegenschallen. Ein wahres Spießrutenlaufen erlebte Lucius, einer der Gegenspieler des Athanasius, als er 367 die Stadt verlassen mußte. Damit ihn nicht das Schicksal seines Vorgängers ereilte, den die athanasianische Menge gelyncht hatte, wurde er unter militärischer Bewachung aus Alexandria geleitet: "Alle schrien mit einer Stimme und eines Sinnes im Chor von dem Haus, aus dem er [Lucius] abgeholt wurde, durch die Stadt hindurch bis zur Wohnung des Militärbefehlshabers; sie stießen Beleidigungen und Anklagen aus und riefen: ´Werft ihn aus der Stadt!´" 3

Kaum eine Bischofswahl im streitsüchtigen Alexandria war, wie betont, unproblematisch, diejenige Kyrills, Patriarch von 412-444, bildete da keine Ausnahme. Es hatte innerkirchlichen Dissenz und sogar einen Gegenkandidaten gegeben, den der Präfekt Abundantius favorisiert hatte; nach dreitägigen Diskussionen triumphierte Kyrill mit Hilfe des Mobs; auf staatlicher Seite ´vererbte´ sich der Konflikt, denn der Präfekt Orestes sollte später die Politik seines Vorgängers fortsetzen. Der Bischof Theophilus hatte seinen Neffen Kyrill zwar protegiert, aber nicht lange genug gelebt, um ihn innerhalb der kirchlichen Hierarchie zu etablieren. Die später überlieferte rührende Geschichte des Aufstiegs Theophilus´ und Kyrills dürfte letzterer verbreitet haben, um seine Wahl zu rechtfertigen. In der in Alexandria kolportierten Erzählung hörte sich dies wie folgt an: Theophilus, elternlos, lebte mit seiner Schwester und einem frommen äthiopischen Sklaven, der erkannte, daß die Gnade Gottes auf den Kindern ruhte, und sie deshalb dem Bischof Athanasius in Obhut gab. Dieser taufte beide Kinder, machte Theophilus zum Vorleser und steckte das Mädchen bis zum heiratsfähigen Alter ins Kloster. Dann heiratete sie und brachte Kyrill zur Welt. Auf diese Weise legitimierte die fromme Legende die Bischöfe Theophilus und Kyrill gleichermaßen. 4

Kyrill war nach seiner Wahl überhastet ins Amt eingeführt worden, was die Unruhen, die den Vorgang begleiteten, nicht beendete. Der Bischof konnte sich seiner Position nicht sicher sein, und diese Unsicherheit trieb ihn in radikalen Aktionismus. Er war der erste einer Reihe von Kirchenfürsten der Stadt, die den alexandrinischen Klerus und alles, was mit kirchlichen Organisationen zusammenhing, zu einem im Wortsinn schlagkräftigen Instrument ausbauten. Dazu gehörte unter anderem, daß er einen ganzen Stab von Schreibern beschäftigte, welche die Aufgabe hatten, seine Predigten sowie seine sämtlichen öffentlichen Reden mitzuschreiben, um die Texte anschließend möglichst weit zu verbreiten. Eine andere Maßnahme war die Reorganisation des Klerus, dessen Priester alle an Kirchen gebunden wurden, wodurch sie der bischöflichen Aufsicht unterstanden. Anschließend ging Kyrill gegen jene christlichen Gruppierungen vor, die man aufgrund staatlicher Gesetze als Sektierer, Häretiker oder Schismatiker bezeichnete. Besonders hart traf es die Novatianer, die in der Bußpraxis noch rigoroser waren als die Melitianer, deren Kirchen Kyrill ebenso konfiszieren ließ wie ihre liturgischen Geräte, um sein eigenes Kirchenvermögen aufzubessern. Damit überschritt er seine Kompetenzen und geriet in Konflikt mit dem Statthalter Ägyptens, Orestes; derartige Konfrontationen schien der Patriarch geradezu zu suchen.

Fußnoten:
Expositio totius mundi 37 (Sources Chrétiennes 124); vgl. M. Maehler, Trouble in Alexandria in a letter of the sixth century, Greek, Roman and Byzantine studies 17, 1976, 197-203. Evetts (Anm. 382) 456. Athanasius, Historia Arianorum 5, 13 = PG (Anm. 134) Band 25, 751. Johannes von Nikiu, Chronikon 79, 1-10.
Klett-Cotta
2. Auflage, 368 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-608-94329-0
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Manfred Clauss

Manfred Clauss ist Professor für Alte Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Seine Hauptarbeitsgebiete bilden die ...



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