Einarmsegeln mit Millie

Dieses Buch erwerben
gebunden mit Schutzumschlag
leider vergriffen
Versandkostenfrei nach D, CH, A; hier inkl. Mwst. - >> Lieferinformationen - Einzelheiten zu Ihrem Widerrufsrecht finden Sie in den >> AGBs. - >> Akzeptierte Zahlungsmittel

Gerald Samper Hausbesitzer in der Toskana, Ghostwriter und Biograph ruhmsüchtiger Popstars und mediengeiler Sportskanonen, hat einen neuen Auftrag.
Gerald Samper - vielen Lesern bereits bekannt aus »Kochen mit Fernet Branca« - Hausbesitzer in der Toskana, Ghostwriter und Biograph ruhmsüchtiger Popstars und mediengeiler Sportskanonen, hat einen neuen Auftrag: Er soll ein Buch schreiben über Millie Cleat, eine wettergegerbte Fünfzigerin, die mit ihrem Hightech-Trimaran über die Weltmeere segelt und dabei einen Weltrekord nach dem anderen bricht.

Bald greift sie, ein Genie der Selbstvermarktung, zu den Sternen: sie wird die Hohepriesterin einer maritimen Sekte, deren Machenschaften Samper mit abgründigem Spott verfolgt.
Die Welt ist ein mediales Dorf, und je schräger die Geschichten seiner Akteure, desto besser. Mafiöse Balkan-Politiker, weltberühmte Dirigenten und windige italienische Makler, Ökofeministinnen und pakistanische Taxifahrer: sie alle treten in dieser Parforcejagd britischen Humors auf - und nicht immer würdig wieder ab. Mit hinreißendem satirischen Talent und hemmungsloser Fabulierlust legt James Hamilton-Paterson sein neues, pralles Buch vor: böse und exzentrisch, haarsträubend und - wunderbar.

»Samper mit seiner musikalischen Begabung, seinem kulinarischen Genie und seinem knackigen Hintern. Hatte er nicht vor längerem schon beschlossen, dass es so mit ihm nicht weitergehen konnte?«
Leseprobe
1
In himmlischer Einsamkeit friedlich unter der heimischen Pergola zu sitzen hat den Haken, daß nach kurzer Zeit die Unruhe einsetzt. Gewiß, mit schuld daran könnte der Vindaloo-Flammeri zu Mittag sein (der ganz ausgezeichnet war: eine faszinierende Vermählung von Curryglut und Eiseskälte). Aber daran liegt es nicht allein. Hier oben im schroffen Gefels herrscht eine drückende Stille. Die strahlende Maisonne perlt durch das Dach des Weinlaubs droben und platscht auf den Marmortisch, wo sich die Lichttropfen um eine Kaffeetasse sammeln und einen dicken Manuskriptstapel bekleckern. Dieser monströse Block Papier kommt mir seit einiger Zeit wie mein eigener Grabstein vor, den ich mit großer Steinmetzkunst bearbeitet habe - mein eigener, obwohl er die Geschichte von ganz jemand anders enthält, einer Person, die mir von Anfang an zuwider war.
Das ewig drückende Problem heißt natürlich Arbeit. Philip Larkins berühmtes Bild dafür ist die Kröte: ein kaltes, häßliches Schwergewicht, das dick und breit auf uns hockt und den größten Teil unseres spärlich bemessenen Zeitkontingents beansprucht. Zudem ist es eine andere Art Arbeit als Wasserholen und Reisanpflanzen, Tätigkeiten, bei denen man glauben mag, daß sie nützlich zum Überleben sind. Im Gegensatz dazu sind fast alle Lohnarbeiten die Zivilversion von Bestrafungen, wie sie über widersetzliche Rekruten verhängt werden, zum Beispiel ein Loch mit dem Aushub eines andern füllen oder Kohlen weißen. Es wundert mich, daß wir uns so wenig über die hochgradige Sinnlosigkeit der Arbeit aufregen, die wir meistens machen. Romane schreiben zum Beispiel. Belletristen mit ihrem blinden Haschen nach sozialer Brisanz neigen dazu, auf Minderheitsmiseren wie Liebe, sexuellen Verirrungen oder einer Kindheit als Weißer in Southall herumzureiten und dagegen die tägliche Arbeit, die das Leben der Mehrheit verwüstet, weitgehend unbeachtet lassen. Ich werde deshalb kühn mit dieser Tradition brechen und mich mit dem menschlichen Stück Kohle befassen, das ich unlängst unter solchen Mühen zu weißen versucht habe. Leider Gottes ist an ihr rein gar nichts belletristisch.
Die persönliche Kröte, unter der ich seit Jahren um Atem ringe, verlangt von mir, daß ich die Bücher anderer Leute schreibe. Eine undankbare Aufgabe, wie Sie mir zugeben werden. Und doch darf ich in aller Bescheidenheit behaupten, daß es künstlerisch wohlgeratene Bücher über ziemlich mißratene Zeitgenossen sind, und das auf dem Tisch, mit dem ich gerade fertig geworden bin, macht da keinen Unterschied. Ja, es ist gerade die Einerleiheit der widerlichen Kröte, die mich jetzt veranlaßt, deprimiert den Blick über die Aussicht von meinem Haus aus schweifen zu lassen, eine Aussicht, die so manchen Toskanafan zu Recht in Ekstase versetzen würde. Die Terrasse endet im Nichts. Viele abgrundtiefe Meilen Luftlinie entfernt hat das Mittelmeer um zwei Uhr nachmittags nichts Besseres zu tun, als platt und träge in seinem Bett zu liegen wie ein Teenager, der die ganze Nacht Party gemacht hat. In dem allgemeinen Gleißen entlang der Küste prikkeln hin und wieder Blitzlichter, wenn die Sonne auf die Windschutzscheiben von Fahrzeugen fällt, die unerkennbar in dem Ameisenhaufen dort unten herumkriechen. Menschen in ihrer nimmermüden flüchtigen Jagd nach dem Glück, deren Vergeblichkeit ihnen zuletzt doch keine andere Wahl läßt, als sich mit trostlosem Reichtum abzufinden ... Samper, Samper, woher diese Bitterkeit, dieser Verdruß? Wahrscheinlich liegt es an dem verdammten Meer, dessen Anblick mich zur Zeit an Sachen erinnert, die ich lieber vergessen würde, wie zum Beispiel in wessen Gesellschaft ich notgedrungen die letzten vierzehn Monate verbracht habe. Es ist schwer, Ihnen einen Begriff von der schlichten Scheußlichkeit dieser Leute zu geben, über die ich schreibe, damit mein nach wie vor jugendlicher Körper und meine vom Leben gezeichnete Seele nicht darben müssen. Das letzte Objekt meiner Bemühungen dürfte sogar nach heutigen Maßstäben als abartig gelten. Stellen Sie sich eine nußbraune armamputierte Alte von Mitte fünfzig vor mit einer Haut, gegen die Brigitte Bardot wie ein Clinique-Model aussieht, und mit einer Ausdrucksweise wie eine lesbische Truckerin. Was, frage ich Sie, hat Gerald Samper mit solchen unterweltlichen Kreaturen zu schaffen? Samper mit seiner musikalischen Begabung, seinem kulinarischen Genie, seinem knackigen Hintern (seiner unmaßgeblichen Meinung nach). Hatte er nicht vor längerem schon beschlossen, daß es so nicht mit ihm weitergehen konnte?
[...]
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring (Orig.: Amazing Disgrace)
1. Aufl. 2007, 368 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93662-9
autor_portrait

James Hamilton-Paterson

James Hamilton-Paterson, 1941 in London geboren, Oxfordabsolvent und Mitglied der Royal Geographical Society, renommierter Journalist, Sachbuchautor, ...

Weitere Bücher von James Hamilton-Paterson

Seestücke

Das Meer und seine Ufer


Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de