Atto Melani

Atto Melani (1626 - 1714), in der Toskana geboren, war einer der erfolgreichsten Kastratensänger des 17. Jahrhunderts. Als Spion und Diplomat für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. verfolgte er zahlreiche Konklaven. Hochbetagt starb er in Paris. Hochberühmt zu ...

Atto Melani (1626 - 1714), in der Toskana geboren, war einer der erfolgreichsten Kastratensänger des 17. Jahrhunderts. Als Spion und Diplomat für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. verfolgte er zahlreiche Konklaven. Hochbetagt starb er in Paris.

Hochberühmt zu seiner Zeit, von den Mächtigen geehrt, sogar von Dichtern besungen, fiel er nach seinem Tod der Geschichtsvergessenheit zum Opfer: Erst jetzt, dank der Romane von Monaldi & Sorti, taucht Atto Melani (1626-1714) wieder aus dem Dunkel auf. Ihr Held war schon zu seinen Lebzeiten eine schillernde Figur wie aus einem Roman. Der kastrierte Sänger und Komponist, später Abbé, Diplomat und Spion, Freund von Päpsten, Kardinälen, Fürsten und Königen, wurde als Sohn eines armen Glöckners geboren. Doch dank seiner Talente, seines scharfen Intellekts und Geschicks für Intrigen, wußte er sich im Lauf eines langen, abenteuerlichen Lebens Ruhm, Ehre und Reichtum zu erwerben. Jahrzehntelang war er ein enger Mitarbeiter Kardinal Mazarins und des Sonnenkönigs - und in ihrem Auftrag betätigte er sich auch als Spion. Kaum jemand dürfte also die Staatsgeheimnisse jener Epoche besser gekannt haben als Atto Melani.

Der Sohn einer bettelarmen Familie starb schwerreich. Von Geburt Toskaner war er zuletzt Franzose. Er liebte die Frauen und besaß keine einzige. Er war ein Freund der Mächtigen, wurde aber gedemütigt, verleumdet, verachtet. Als Plebejer geboren, wurde er mit den Ehren eines Adelswappens begraben.

Als drittes von sieben Kindern des Glöckners am Dom von Pistoia wurde er in zartem Alter verschnitten, um ihn zum kastrierten Sänger zu machen. Er wurde es und gehörte zu den Größten: sein Gesang, von La Fontaine gepriesen, galt als Heilmittel gegen den Schlangenbiß.

Kardinal Mazarin, der feinsinnige Geister zu erkennen vermochte, führte ihn in die Kunst der Spionage ein. Atto lernte schnell und gut. Unter dem Vorwand seiner Konzerte besuchte er die Königshöfe, und zwischen zwei Arien gab er verschlüsselte Botschaften weiter, sammelte Denunziationen, verbreitete giftige Dossiers.

Als Mazarin starb fand er im Sonnenkönig, der auf dem Gipfel seiner Macht stand, den nächsten Gönner. Mit der Zeit wurde er zum Ratgeber und Freund von Kardinälen, Fürsten, Königen und Päpsten. Um Frankreich gefällig zu sein, wirkte er auf die Papstwahl ein und erreichte, daß ein Kardinal aus seiner Heimatstadt Pistoia Papst wurde. Von da an war er während der Papstwahlen der geheime Drahtzieher des Sonnenkönigs in Rom: niemand kannte die Kniffe und schmutzigen Spiele der Konklave besser als er.

Wie jeder gute Spion diente er zu vielen Herren. Oft redete er zuviel und bezahlte das teuer. Der Sonnenkönig, der schon als Kind mit Atto gespielt hatte und ihm vertraute, entdeckte ihn beim Kopieren seiner Briefe und verbannte ihn für fünfzehn Jahre. Auch vom Heiligen Stuhl machte er bittere Erfahrungen. Er wurde verächtlich gemacht, verspottet, diffamiert. Doch zuletzt gelang es ihm, die Schicksalsschläge wettzumachen. Im Alter schlichtete er einen diplomatischen Streit zwischen Venedig und Lucca, und die Venezianer verliehen ihm aus Dankbarkeit einen Adelstitel. Der arme Sohn des Glöckners hatte seine erstaunliche Lebensbahn vollendet.

Er starb als einer der langlebigsten Kastraten aller Zeiten mit 88 Jahren. Temperamentvoll und unbändig bis zuletzt, plante er noch kurz vor seinem Tod in die Toskana zurückzukehren, auf seine Ländereien in Pistoia, von denen er viele nie gesehen hatte.

Niemand konnte sich einen derart vertraulichen Umgangston mit Ludwig XIV. erlauben. Atto Melani aber kannte den König seit seiner Kindheit: der italienische Kastrat befand sich nämlich unter dem Gefolge der königlichen Familie bei ihrer Flucht aus Paris während der Wirren der Fronde. Als er Die Geheimnisse der Konklaven schreibt, weiß Atto Melani, daß er sich an den mächtigsten Herrscher Europas mit der Vertraulichkeit eines alten Freundes wenden kann.

Einer der aufregendsten Funde von Monaldi & Sorti waren acht voluminöse Bände mit dem Briefwechsel des Abbé Melani. Die entscheidende Leistung der Autoren war freilich die genaue Lektüre dieser Briefe. Kein Forscher hatte sie zuvor weiter beachtet. Sie sind nicht weniger als die Keimzelle des Romanzyklus´.

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