MERKUR

Heft 11 / November 2010

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Christian Schröder

Seltsame Reisende . Engländer in Deutschland

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Zitate:

Es sind erstaunliche Affären, von denen Kemp, einer der bedeutendsten deutschen Kunsthistoriker, erzählt. Deutschland war für Engländer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in vielerlei Hinsicht ein Sehnsuchtsland, so wie Italien für Deutsche im 19. Jahrhundert ein Sehnsuchtsland gewesen war. Dass englische Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle gerne nach Deutschland kamen, hatte handfeste Gründe. Die Lebenshaltungskosten dort waren niedrig, es gab ein liberaleres Scheidungsrecht, und die Heilbäder besaßen Weltrang. Deutschland versprach Freiheit, vor allem in Fragen der Moral. Die literarischen Junggenies Isherwood, Spender und Auden waren schwul. In Berlin mussten sie sich weniger verstecken als in London. Kemp spricht von einem "coming out", das zunächst nach einem "coming in" verlangt habe, und folgt seinen Protagonisten in den "marvelous freedom" der Schwulenbars um die Schöneberger Motzstraße, die Cosy Corner oder Adonis-Klause hießen. Isherwood hat sich später einen "sexual colonialism" attestiert: "Er konnte sich sexuell nicht entspannen mit einem Angehörigen seiner eigenen Klasse oder Nation. Er brauchte einen Fremden aus der Arbeiterklasse." W. H. Auden war als Erster in Berlin angekommen, Isherwood blieb am längsten, bis 1933, und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Privatlehrer. "Herr Issyvoo", so nannte ihn Fräulein Schröder, die Wirtin seiner Pension in der Nollendorfstraße, in deren verwohnten Zimmern eine bunt zusammengewürfelte Mischung seltsamer Menschen untergekommen war. Dieses Personal und die Ausflüge des Ich-Erzählers in das mondäne, bereits dem Untergang geweihte Nachtleben der Reichshauptstadt kennen Leser und Kinogänger aus Isherwoods Romanen The Last of Mr. Norris (1935) und Goodbye to Berlin (1939) und aus deren Hollywoodverfilmung Cabaret.

MERKUR Jahrgang 64, Heft 738, Heft 11, November 2010
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Rainer Hank, Bernhard Schlink, Heinz Theisen, Paul Kennedy, Thomas Krüger, Jürgen Kaube, Otfried Höffe, Michael Rutschky, Christian Schröder, Wolfgang Marx, David Klett, Sabine Beppler-Spahl, Jens Soentgen,

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