MERKUR

Heft 11 / November 2010

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Michael Rutschky

Selbstvergessenheit, Theatralik . Der Kunstwissenschaftler Michael Fried

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Zitate:

Unweigerlich stößt auf den Namen, wer sich mit Chardin, unterdessen einer der beliebtesten Maler der Kunstgeschichte, beschäftigt − das Kind, das mit seinem Kreisel spielt, der junge Zeichner, der seinen Kreidestift spitzt, der Seifenblasenbläser, sie sind nicht einfach Sujets, sie sind ein Konzept, das im Chardin-Katalog (2000) der Kunsthalle Düsseldorf folgendermaßen gefasst ist: "Die auf der Leinwand dargestellten Figuren sollten so in ihr Tun versunken wirken, dass die Präsenz des Betrachters völlig verschwand." Diesen Gedanken entwickelte Michael Fried 1980 mit großer Gelehrsamkeit − Diderot ist mit seinen Schriften über die Malerei und über das Theater der Kronzeuge −, vor allem aber mit außerordentlicher Kraft der Bildbetrachtung und -beschreibung in seinen Studien über Absorption and Theatricality, die der Kunstgeschichte bis ins 20. Jahrhundert hinein eine erkennbare Richtung vorzugeben suchen. Eine Richtung, an der Frieds jüngstes Buch festhält: Indem es diese Konzeption auf die Fotografie projiziert, auf die "Tableaux", die Jeff Wall und Andreas Gursky und Candida Höfer und Thomas Demand für die Galerie- und Museumswand produzieren, womit sie die Fotografie aus dem Buch herausholen, das der einsame Betrachter für sich anschaut. Ein Fotograf aus dieser Corona, die beweisen soll, "why photography matters as art as never before", gestand mir sein tiefes Unbehagen über die Beweisführung, in der er als Zeuge fungiert. Der Kunstkritiker Jed Perl, dem wir New Art City (2005), ein genussreich erzähltes Buch, wie New York in den Fünfzigern zur Welthauptstadt der Kunst aufstieg, verdanken, widmete Frieds Fotobuch in The New Republic (21.Oktober 2009) den genussreichen Verriss The Restless Medium: Seine Gedanken seien schematisch und obsessiv und deshalb ungeeignet, das quecksilbrige Medium der Fotografie zu fassen − was, wie man gerechterweise sagen muss, auch nicht Frieds Absicht war; er konzentrierte sich − ja, obsessiv − auf zeitgenössische Fotografie, die als Kunst in Erscheinung tritt.

MERKUR Jahrgang 64, Heft 738, Heft 11, November 2010
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Rainer Hank, Bernhard Schlink, Heinz Theisen, Paul Kennedy, Thomas Krüger, Jürgen Kaube, Otfried Höffe, Michael Rutschky, Christian Schröder, Wolfgang Marx, David Klett, Sabine Beppler-Spahl, Jens Soentgen,

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