MERKUR

Heft 11 / November 2010

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Paul Kennedy

Wann ist Appeasement nicht verwerflich?

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Zitate:

Ob ihnen das nun passt oder nicht, die amerikanischen Politiker, Experten, Strategen und hochrangigen Offiziere können der Appeasementfrage nicht ausweichen. Zweifellos ist uns Englands Dilemma in den dreißiger Jahren immer noch viel zu nahe. Da ist und war die globale Hegemonialmacht mit Verpflichtungen überall auf der Welt, aber auch mit dringenden finanziellen und sozialen Forderungen im eigenen Lande, mit Streitkräften, die durch ständige Kämpfe erschöpft sind, mit einem Aufgebot sich neu entwickelnder Arten von Feind, und zugleich auch konfrontiert mit vertraut erscheinenden und expandierenden neueren Nationen, die über zahlreiche technisch immer höherentwickelte Waffen verfügen. Was ist da zu tun: Appeasement oder nicht? Appeasement hier, aber nicht dort? Erklären, dass einige Teile der Welt nicht länger von vitalem Interesse sind? Und allerdings wird der Moment kommen, zu entscheiden, wann man standhalten und kämpfen muss, wann man erklären muss "Bis hierher und nicht weiter!" und dass man nicht zurückweichen wird. Wie das England im September 1939 tat. Aber die englischen und Commonwealth-Bürger kämpften damals wohl eben deshalb so tapfer und standhaft, weil sie wussten, dass ihre jeweiligen Regierungen so oft versucht hatten, den Frieden zu erhalten, ein weiteres ungeheures Gemetzel zu vermeiden und faire Kompromisse anzubieten. Der deutsche Angriff auf Polen bedeutete das Ende von Appeasement. Und das zu Recht. Jetzt wurde Ernst gemacht. Wie auch immer die amerikanische Republik sich mit ihren vielen Vorteilen und auch gravierenden Mängeln in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird, sie wird sich wahrscheinlich diesem zentralen Problem der Anpassung an die Weltordnung des 21. Jahrhunderts stellen müssen, wo sie eine weniger wichtige Rolle spielen wird als im Jahrhundert davor. Und während die Amtsinhaber im Weißen Haus und im Kongress sich mit dem Problem herumschlagen, die globale Rolle ihres Landes zu ändern, werden sie zweifellos mit diesem hässlichen politischen Begriff konfrontiert werden: "Appeasement".

MERKUR Jahrgang 64, Heft 738, Heft 11, November 2010
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Rainer Hank, Bernhard Schlink, Heinz Theisen, Paul Kennedy, Thomas Krüger, Jürgen Kaube, Otfried Höffe, Michael Rutschky, Christian Schröder, Wolfgang Marx, David Klett, Sabine Beppler-Spahl, Jens Soentgen,

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