MERKUR

Heft 10 / Oktober 2017

Heft 821

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Zitate aus Merkur, Nr. 821, Oktober 2017

Claudio Aspesi war nicht der Erste, der irrtümlicherweise das Ende des Booms im wissenschaftlichen Verlagswesen vorhersagte, und er wird wohl kaum der Letzte sein. Es fällt schwer zu glauben, dass ein profitorientiertes Oligopol, denn darum handelt es sich letztlich, in einem ansonsten streng regulierten, aus öffentlichen Geldern finanzierten System langfristig überdauern kann. Doch diese Form der Publikationspraxis ist seit Jahrzehnten im Wissenschaftsbetrieb fest verankert.
Stephen Buranyi, Profit ohne Risiko

Die Aussichten von Macrons Revolution erscheinen zumindest kurz- und mittelfristig nicht schlecht: Die Mehrheit im Parlament ist gesichert, die großen Parteien links und rechts sind massiv geschwächt, die extremen zurückversetzt in den Wartestand der Fundamentalopposition. Zudem wurden auch die außerparlamentarischen Verbände, vor allem die Gewerkschaften, durch den Umbruch so überrollt, dass die einst monolithische Mauer der gewaltbereiten Streiks ebenfalls erschüttert ist.
Wolfgang Matz, "Pfeift nicht!"

In der Tat stand die politische Philosophie in Frankreich bis in die späten achtziger Jahre oft im Zeichen einer unnachgiebigen Ablehnung des Staates, deren intellektuelle Energien sich aus dem Aufruhr von 1968 speisten. Erst an der Schwelle zum neuen Jahrzehnt lässt sich auch in vermeintlich liberalen Kreisen vielfach ein Umdenken feststellen: Der sozialistische Block war zusammengebrochen, die Marktordnung globalisierte sich – und viele französische Intellektuelle bekamen es mit der Angst zu tun.
Danilo Scholz, Der Staat: Anmerkungen zum politischen Denken in Frankreich

Erst vor kurzem veröffentlichte ein überwiegend belgisches Team um Michael Gillon von der Universität Lüttich die Entdeckung eines Planetensystems um einen Stern, der nur etwa acht Prozent Masse der Sonne hat. Gleich sieben Planeten umkreisen den winzigen Stern, der jetzt den Namen Trappist-1 trägt, benannt nach dem belgischen Bier. Alle sieben sind ähnlich groß wie die Erde, und mehrere befinden sich in der sogenannten habitablen Zone, in der die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser (und flüssigem Bier) erlauben.
Aleks Scholz, Warten auf die Außerirdischen (I)

Die Fahnen, die mir von diesen documenta-Tagen in Erinnerung geblieben sind, waren weiß, rot und blau, es waren Hunderte, mit denen einige Tausend Männer und Frauen am frühen Freitagabend über die Stadiou-Straße im Zentrum zogen. Einen schwarzen Block gab es in dieser Gewerkschaftsdemo, bei der auffallend viele Rentner und Kinder mitliefen, nicht.
Christine Käppeler, Fahnen in Athen

Auch im Stadtbild stößt man immer wieder auf Protestnoten. Wenn man zum Beispiel auf der Dachterrasse des Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst (EMST) steht, blickt man auf ein leerstehendes, allmählich verfallendes Hotel, ein Graffito springt ins Auge: „Enjoy our ruins“.
Cristina Nord, Der blinde Fleck

Und weil die wortreiche Solidarität mit den Unterdrückten dieser Welt von diesen nicht selten als reichlich übergriffig empfunden wird, den Reichen und Mächtigen aber, weil sie so angenehm folgenlos bleibt, ausgesprochen süß in den Ohren klingt, ist auch zweifelhaft geworden, ob man sich mit der Kunst schon immer automatisch auf der richtigen Seite befindet.
Jan von Brevern, Von Kassel lernen

Kunst kann nur dann eine moralische Wirkung haben, wenn die Kommunikation nicht eindimensional ist. Kunst muss den Betrachter in einen Explorationsvorgang verwickeln, in dessen Verlauf sich emotionale und kognitive Parameter verändern. Früher geschah dies vorwiegend auf emotionaler Ebene, durch das Mittel der Provokation. Es ist schwierig, heute noch irgendjemanden mit irgendetwas zu provozieren.
Ernst-Wilhelm Händler, Eindeutig d14

Im Großen und Ganzen haben die Stimmen aus dem Feuilleton Recht, dass diese documenta "langweilig" und "zahnlos" sei, weil sie immer auf Nummer sicher gehen wolle. Lorenza Böttners Arbeit würde ich von dieser Kritik ausnehmen: Nicht weniger als fünf politische Themen verknüpfen sich hier biografisch in ein und demselben Werk.
Harry Lehmann, Politische Kunst?

Im Nachhinein sollte sich herausstellen, dass das bizarre Arrangement aus Prachtpokalen, Glasgefäßen, Fayencen und Jagdwaffen bis zum Schluss meines Kassel-Aufenthalts das intensivste Ausstellungserlebnis geblieben war. Nur hier war ich wirklich ganz bei der Sache gewesen, nur hier hatte ich das Gefühl, dass sich jemand sehr viel Mühe gegeben hatte, ein Interesse zu wecken und auch wachzuhalten, das nicht schon von vornherein als selbstverständlich gegeben unterstellt wurde.
Christian Demand, d14 – Ausweichstrecke

Wie empirische Untersuchungen zeigen, plädieren die meisten Befragten zwar dafür, im Ernstfall das Leben der Fahrzeuginsassen zu opfern, um das Leben anderer zu retten. Nur: Wer würde wohl sein „teures Geld“ in ein Fahrzeug investieren, das im Ernstfall die Interessen der Mitmenschen über seine eigenen stellt? Sobald über den Elefanten im Raum gesprochen wird, scheint keine andere Lösung denkbar als der Egoismus.
Roberto Simanowski, Todesalgorithmus

Man könnte eine genaue Typologie der unterschiedlichen Adressen der Diskurse aufstellen: Reformen in Forschung und Lehre adressieren die Universität als Organisation. Sie treffen aber auf institutionelle Beharrungskräfte, die auf dem Glauben an die Stabilität und auch an die Zeitlosigkeit der Institution gründen. Beide Ansichten der Universität sind eigentlich unvereinbar.
Markus Steinmayr, Universitätsutopien

Jahnn ist einer jener Schriftsteller, die sehr viel Text hervorbringen müssen, damit da und dort ein paar Absätze oder Seiten von höchster Sprach- und Einbildungskraft mitkommen. Perrudja auf derartige Passagen hin zu lesen, erweist sich denn auch als überaus ergiebig. Manche davon ließen sich kontextfrei zitieren und könnten durchaus als eigenständige Stücke bestehen.
Felix Philipp Ingold, „Ganz wissend, ganz sündlos, ganz dumm“

Die Stare brauchen sieben Artgenossen, an denen sie sich im Schwarm orientieren können. Wenn sich also drei in einer Glasfassade spiegeln, reagieren sie nicht wie ein Schwarm; falls sie zu viert sind, aber schon? Der Star unter meinem Hotelzimmerfenster thront immer solo auf seinem Kamin über dem kleinen Haus. Anders als ihre Verwandten in Berlin lauern die New Yorker Stare nicht in kleinen Grüppchen an den Imbissbuden auf Futter. Vielleicht liegt es nur an der Jahreszeit, aber die sieben Artgenossen wollen sich einfach nicht einfinden, der Schwarm will nicht aufsteigen, über dem Fluss, über der Stadt.
Günter Hack, Der Star von Manhattan

Der Einsatz des Blitzlichts, das sich sowohl in der Fensterscheibe des Kinderzimmers wie auch – gleich achtfach – in einer der Scheiben des Gebäudes im Bildhintergrund spiegelt, hat dazu geführt, dass das Zimmer für einen winzigen Moment überbelichtet wurde. Möglich, dass die beiden Fenstergucker in Wirklichkeit im Dunkeln gestanden und sich ungeniert der Melancholie hingegeben haben. Der Anblick einer im Abendlicht verdämmernden Ruine macht empfänglich, wenn schon nicht für romantische Gefühle, so doch für tiefere Betrachtungen über die Vergänglichkeit allen Seins.
Harry Walter, Schnappschuss mit Ruine

MERKUR Jahrgang 71, Heft 821, Heft 10, Oktober 2017
104 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Stephen Buranyi, Wolfgang Matz, Danilo Scholz, Aleks Scholz, Christine Käppeler, Cristina Nord, Jan von Brevern, Ernst-Wilhelm Händler, Harry Lehmann, Christian Demand, Roberto Simanowski, Markus Steinmayr, Felix Philipp Ingold, Günter Hack, Harry Walter,


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