MERKUR

Heft 08 / August 2007

Kein Wille zur Macht. Dekadenz

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Auszüge aus dem Doppelheft August/September 2007, Nr. 700

Brechts Sinnspruch "Die im Dunkeln sieht man nicht" hat seine Wahrheit verloren. Gerade die im Dunkeln stehen heute im Scheinwerferlicht einer privatisierten Öffentlichkeit. Es gibt keine private Miserabilität, keine private Obszönität, keine private Häßlichkeit, die qua Massenmedien nicht zum Stand des öffentlichen Bewußtseins gemacht würde und dort inzwischen einschlägige normative Wirkung zeitigt. Der Anteil der privaten Katastrophen nicht nur in den kommerziellen Kanälen, sondern auch in den politischen Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehört in den vom Opferkult zur Celebrityfeier changierenden Diskurs. Europäische Politiker entschuldigen sich für die europäische Kolonialpolitik, obwohl eine solche Entschuldigung gedanklichen Nonsens darstellt. Denn unabhängig davon, wie berechtigt ein negatives Urteil über Britisch-Indien oder Französisch-Algerien ist, läßt sich die Kolonialethik des viktorianischen Zeitalters nicht durch die Ethik unserer Epoche einholen, überholen, revidieren. Nur wenn das möglich wäre, wäre die Entschuldigung sinnvoll, hätte sie einen moralischen Kern. Auch die Entschuldigungslitanei gehört zur Inversion von Politischem und Privatem. Wenn man die angeführten Beispiele zusammenfaßt, wird ein für die Bundesrepublik charakteristisches Merkmal erkennbar: Nicht zu wollen, heißt hierzulande nunmehr vor allem eines: Reduktion von Politik auf Sozialhilfe. Sozialpolitik wäre schon zuviel gesagt. Die Bismarcksche Sozialpolitik, Geburtshelferin der heutigen, diente ja dem Zweck, die Arbeiter zu befrieden, um dafür um so mehr den Willen Bismarckscher Politik durchsetzen zu können. Es war gewissermaßen die Zweiteilung zwischen denen, die nach dem Wort von Denis de Rougemont fragen "Was wird uns geschehen?" und denen, die fragen "Was können wir tun?". Die Frage nach dem, was uns geschehen wird, ist die Frage der Dekadenz, zu der Bismarck die Arbeiterschaft überreden wollte, während er selbst den Willen zur Macht exerzierte. Gehen wir taktvollerweise nicht dem Verdacht nach, inwiefern die Sozialpolitik der dreißiger und vierziger Jahre zum Modell für die heutige geworden ist. Die vorangegangene Amoral jedenfalls sollte die aktuellen Führer der Sozialdemokratie eigentlich abschrecken, ihren Willen zur Sozialhilfe so ganz ohne sonstige Ambitionen zu verklären. Läuft die Beschreibung einer kulturell und politisch schlaffen Bescheidenheit - bescheiden selbst beim utopischen Projekt Europa - nicht auf eine Skizze dessen hinaus, was man in der Soziologie "postheroische Gesellschaft" nennt? Und diese wiederum folgte nur dem längst diagnostizierten Niedergang der bürgerlichen Denk- und Lebensformen, wie sie Panajotis Kondylis beschrieben hat? In Deutschland wäre dann beides nur am weitesten fortgeschritten, aber überall sonst auch in voller Entwicklung, wie das zu Eingang behandelte britische Beispiel illustrierte. Damit wäre zunächst nur erkannt, daß es sich um einen notwendig gewordenen Prozeß handelt. Notwendigkeit aber schließt Dekadenz nicht aus, Dekadenz in all ihren Formen eines Mangels an Willen zur Macht: kulturell, moralisch und politisch.
Karl Heinz Bohrer, Kein Wille zur Macht

Gegen Ende vergangenen Jahres wurde ich eingeladen, im Berliner Hebbel-Theater mit einem geschätzten Kollegen ein zweistündiges, polemisch zugespitztes Gespräch über "Amerika" zu führen. Unsere Diskussion war Teil einer Veranstaltungsreihe, die "Schwarzmarkt" heißt und unter sehr spezifischen Inszenierungsbedingungen stattfindet. Für hundertzwanzig Minuten sitzen sich zwei Kontrahenten ganz allein bei drei Flaschen Merlot in einer engen Schauspielergarderobe gegenüber, während ihr Gespräch über riesige Bildschirme für ein Publikum von mehreren hundert Zuschauern in den Theaterraum übertragen wird, dessen Bestuhlung entfernt worden ist. Natürlich kamen wir sehr bald zur Frage der Legitimität der amerikanischen Militärintervention im Irak, und dies um so konzentrierter, als wir uns über die katastrophalen Fehler der Nachkriegspolitik und das Ausmaß ihrer Folgen einig waren. Mit einem Hauch von Zerknirschung räumte ich ein, daß ich bei Beginn und im Verlauf des Kriegs - anders als die allermeisten europäischen und wohl auch amerikanischen Intellektuellen - mit der Entscheidung des Weißen Hauses und seiner Koalition einverstanden gewesen war. Der Schritt zur Anwendung überlegener militärischer Macht, argumentierte ich ohne jede Originalität, dürfe nicht tabuiert werden, weil man sich andernfalls gegenüber radikalen politischen Führern und ihren Staaten unbegrenzt erpreßbar mache. In diesem Sinn sei aus gegenwärtiger Perspektive - und trotz seines Scheiterns - auch das amerikanische Engagement in Vietnam historisch anders zu bewerten, als es gerade in jener Vergangenheit üblich war, da andernfalls die stets mit einer Aura von Volkssouveränität verbrämte Expansion des Sowjetimperialismus zu einem unbegrenzten Anspruch hätte werden können. Mein Kontrahent war grundlegend anderer Meinung und reaktivierte zur Illustration ein Motiv aus der Studentenbewegung der späten sechziger Jahre: Ob nicht ganz im Gegenteil Feigheit als die menschlichste aller Tugenden anzusehen sei, da bedingungslose Konfliktvermeidung bedingungslos auf die Erhaltung von Menschenleben auf beiden Seiten jedes potentiellen Konflikts ausgerichtet sei. Für einen Moment erinnerte ich mich vage an eine Losung, die in den Jahren der Studentenrevolte kursierte: "Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin"- und dann spürte ich, zu meinem Erstaunen eher, wie mich die Position des unbegrenzten Pazifismus zornig machte. Dieser Zorn aktivierte sogar bestimmte somatische Reaktionen, die wohl Relikte eines archaischen Angriffs- oder Verteidigungsinstinkts sind und die ich, weil ich sie angesichts meines Alters peinlich fand, zu verbergen suchte. Am Ende war die für mein Gegenüber und das Publikum wahrnehmbare Reaktion rein verbal. Ich befürchtete, sagte ich, daß die Bürger der europäischen Nationen bereit wären, millionenfach in den Handstand zu gehen und im Handstand zu verweilen, wenn Bin Laden dies als eine Bedingung des Friedens oder auch nur eines stets revozierbaren Waffenstillstands einfordere. Freundlich-polemisch lief unsere Diskussion weiter, mit einigen rhetorischen Blitzlichtern, und gegen Ende auch mit hörbar vom Wein beschwerten Zungen. Als wir endlich, es war inzwischen fast Mitternacht geworden, die unersättlichsten Zuschauer im Theatersaal trafen, gab es eigentlich nur ein Thema: daß an jenem Punkt des Gesprächs, wo mich der antipazifistische Zorn überkommen hatte, tatsächlich einige Zuschauer in den Handstand gegangen und andere auf dem Boden des Theaters in die pumpende Bewegung von Liegestützen eingefallen waren. Ich reagierte nicht mit dem Humor, den der gesellschaftliche Comment für solche Momente vorschreibt, sondern fühlte mich - in zeitlicher Versetzung - genauso provoziert, wie es die Zuschauer mit ihrer vorauseilend-ostentativen Geste des Gehorsams beabsichtigt hatten. Daß eine Gesellschaft, die nicht genug Stolz habe, um ihre eigene Unabhängigkeit und ihr eigenes Überleben wenigstens zu wollen ("Macht" kommt hier noch gar nicht ins Spiel), einfach dekadent sei, hörte ich mich sagen, daß mich eine solche Provokation persönlich zwar nicht berühre, aber doch anekele, und daß so etwas nur im neu vereinigten Europa und glücklicherweise nicht in den Vereinigten Staaten, meinem Land, denkbar sei.
Hans Ulrich Gumbrecht, Stolz

Das Jammern über die Dekadenz der Gegenwart ist ein zeitenübergreifendes Phänomen, seinerseits merkwürdig immun gegen den Niedergang, den es konstatiert. Aus Ägypten gibt es viertausend Jahre alte Papyri, in denen steht, daß die Jugend von heute nichts taugt. Es ist kein angenehmes Geräusch. Selbstgerechtigkeit und Denkfaulheit klingen darin; und es ertönt aus dem Mund unseres Unzeitgenossen Sallust nicht anders als aus heutigen Leitartikeln und Bestsellern. Und doch muß man gerechterweise sagen: Solche beschränkte Art, die Gegenwart ganz aus der Vergangenheit begreifen zu wollen, dient dem Schutz vor der Zukunft; wollte der Klagende sich im Ernst umwenden und ihr ins Gesicht sehen, so befiele ihn wohl eine unendliche Trauer.
Burkhard Müller, Vom ewigen Niedergang

Der Dekadenzgedanke als abgeschwächte Form der Untergangsstimmung erwächst daraus, daß eine Erosion der Grenzziehung zur unheroischen Umgebung und ein Eindringen ihrer Werte und Verhaltensweisen befürchtet werden. Die heroische Gemeinschaft lebt in der steten Furcht, von der unheroischen Gesellschaft erdrosselt oder aufgezehrt zu werden. Je größer diese Furcht, desto stärker die Neigung zu Selbstabschließung und Verkapselung. Angewiesen auf den Austausch mit ihrer Umgebung, beschleunigen heroische Gemeinschaften dadurch ihren Untergang. Wo Opfer und Ehre nur noch innerhalb der Gemeinschaft zirkulieren, erstarrt diese mit der Zeit und zerfällt. Und wenn die umgebende Gesellschaft die heroische Gemeinschaft nicht mehr achtet und ehrt, sondern ignoriert oder gar verachtet, so ist ihr das Elixier periodischer Revitalisierung entzogen. Heroische Gemeinschaften bedürfen gelegentlicher Kriege und Kämpfe, doch in denen müssen sie ihren Nutzen für die sie alimentierende Gesellschaft erweisen, um dafür mit erneuerter Ehrerbietung ausgestattet werden. Dann blühen sie wieder auf. Heroische Gemeinschaften bedürfen der Kriege, weil sich in ihnen das symbolische Kapital der Ehre erneuern und aufstocken läßt. Auch in dieser Hinsicht ist der ihnen endemische Dekadenzgedanke angemessen und angebracht: Wenn die Dinge ruhig und normal laufen, ist das für die heroischen Gemeinschaften bedrohlich; was sie rettet, ist der Einbruch des Außergewöhnlichen und Extremen. Das ist ihre große Stunde, die sie hernach wieder viele kleine Stunden überstehen läßt.
Herfried Münkler, Heroische und postheroische Gesellschaften

Hisbollah und Hamas, Sunni-Terroristen und Schia-Todesschwadronen haben keinerlei Bedenken, Zivilisten zu ermorden; das ist integraler Teil ihrer Strategie. Doch der Westen bemüht sich nach Kräften, zivile Opfer zu vermeiden, und er fühlt sich schuldig, wenn er dabei scheitert. Letzthin mußten die Israelis diese Lektion im Libanon lernen. Es spielte keine Rolle, daß die Hisbollah ihre Raketen auf Nichtkombattanten gerichtet, diese Raketen in zivilen Wohnstätten versteckt und Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt hatte - alles Verstöße gegen die Verbote der Genfer Konventionen. Die überwiegende Reaktion im Westen lautete, daß Angriffe auf ein ziviles Umfeld unter keinen Umständen gerechtfertigt seien. Es gab auch nicht viele Israelis, die diese "Kollateralschäden" bejubelten. Das stellt ein schier unüberwindbares Hindernis für den Einsatz überlegener militärischer Macht dar - siehe Libanon, siehe Irak. Faludscha, ein Hauptstützpunkt der Dschihadis, wäre wohl noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dem Erdboden gleichgemacht worden; statt dessen ließen sich die Amerikaner auf verlustreiche Straßenkämpfe ein, ohne je die totale Kontrolle über die Stadt zu erringen. Diese erste moralisch-rechtliche Asymmetrie wird flankiert von einer zweiten, einer soziokulturellen. Nennen wir sie "das Ende der imperialen Berufung" in der westlichen Welt. Früher war diese Haltung ein sehr wirksamer ideologischer Kräfteverstärker. Als die Briten Indien eroberten, war ihnen die "Bürde des weißen Mannes" Inspiration und Legitimation zugleich. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 entschied Präsident McKinley, die Philippinen zu behalten, um "die Filipinos zu erziehen, zu bessern, zu zivilisieren und zu christianisieren". Dabei hatte McKinley wohl übersehen, daß die Spanier die Filipinos schon vor Jahrhunderten "katholisiert" hatten. Tempi passati. Eine imperiale Berufung bedarf vorweg einer imperialen Klasse, auf die Rom oder Britannien für die Verwaltung ihrer weitausgreifenden Imperien zurückgreifen konnten. Welcher Absolvent der Harvard Law School würde lieber das Schulwesen in Bagdad leiten, als an der Wall Street ein Anfangsgehalt von 150 000 Dollar einzustecken? Ein ehrgeiziger junger Mann kann heute viel leichter in Merger and Acquisitions Ruhm und Reichtum finden als in einem afrikanischen Vorposten. Und ein junger Idealist wird eher zu einer Nichtregierungsorganisation gehen als zu einem Wiederaufbauteam in der afghanischen Provinz.
Josef Joffe, Warum der Westen keine Ordnungskriege führen kann

Auch Amerika hat bei seiner Einwohnerpolitik nicht immer auf Nützlichkeit geschaut. Aber im Jahre 1990 begehen die Kinder von Sozialhilfemüttern 50 Prozent aller jugendlichen Gewalttaten, obwohl sie nur 10 Prozent des Nachwuchses stellen. Deshalb verkündet der linke Präsidentschaftskandidat Bill Clinton im Wahlkampf von 1992 das Ende einer Politik, die Frauen ab dem vierzehnten Lebensjahr dazu verführt, alle drei Jahre ein Baby zu haben, damit die staatlichen Gelder weiterfließen und sie nicht arbeiten gehen müssen. Seit dem 1. Januar 1997 erhält eine amerikanische Frau im ganzen Leben höchstens noch fünf Jahre staatliche Versorgung. Damit will man auf maximal zwei Kinder pro Ghettomädchen herunter. Wegen dieser Regelungen treten hohe Sozialpolitiker in Washington empört zurück: Einen Angriff auf die Schwächsten der Gesellschaft, die zugleich farbig, weiblich und kindlich sind, wollen sie nicht mitmachen. Gerade diese Politiker erweisen sich als Rassisten. Denn die schwarzen Mädchen sind keineswegs begriffsstutzig. Umgehend nehmen sie Verhütungsmittel und suchen sich Arbeit. Heute hat die durchschnittliche Afroamerikanerin gerade noch zwei Kinder. Als Clinton sein neues Gesetz 1997 in Kraft setzt, hat Amerika über zwölf Millionen Sozialhilfeempfänger. Ende 2005 sind es - trotz 35 Millionen zusätzlicher Einwohner - nur noch 4,5 Millionen. Die Quelle für immer neue Gewalttaten aus den Ghettos ist weitgehend versiegt. Damit gelingt dem Mann aus Arkansas die rasanteste Sozialreform der Geschichte. Der von Clinton verstellte Lebensweg ist für eine Nation so gefährlich, weil er nur für die Töchter der Unterschicht eine Perspektive eröffnet. Während sie durch zusätzliche Geburten ihren Unterhaltsanspruch an die übrigen Steuerzahler immer wieder erneuern, können die Söhne nicht durch immer neue Vaterschaften ans Geld kommen. Sie hungern und frieren nicht. Aber die meisten bleiben so bildungsfern wie ihre Schwestern. Sie sind kräftig und anspruchsvoll, aber passabel bezahlte Karrieren schaffen sie nicht. Deshalb können sie auch die Steuern nicht verdienen, aus denen ihre Schwestern und deren Nachwuchs bezahlt werden müssen. Während Clinton das damals schwerste Problem der Vereinigten Staaten löst, betreiben Deutschland und Frankreich eine Bevölkerungspolitik, die eben dieses Problem in allerdings viel größerem Ausmaß erst herbeiführt. Während vor dem "Tod der Familie" gezittert wird, gibt es einen Familientypus, der regelrecht explodiert: die Sozialhilfemutter mit ihrem Nachwuchs. 1965, als die Bundesdeutschen noch relativ arm sind und Verhütung bestraft wird, rutschen dennoch nur 160 000 Kinder in Sozialhilfe. 2006, als jede Schwangerschaft verhütet werden darf, leben zwei Millionen Kinder von Sozialhilfe. Das sind 15 Prozent aller Kinder. Clinton hatte bei 10 Prozent die Notbremse gezogen.
Gunnar Heinsohn, Schrumpfender Westen, aufsteigender Islam

Die Urszene der modernen islamischen Dekadenzkritik spielt in einer Kirche im Mittleren Westen, genauer gesagt in Greeley, Colorado. Ein ägyptischer Beamter namens Sayyid Qutb war vom Bildungsministerium Ende 1948 ans dortige State College geschickt worden, um das amerikanische Bildungswesen zu studieren. In seinen Briefen und Artikeln beschrieb er die amerikanische Kleinstadtgesellschaft. Eine bis heute in der islamischen Welt berühmte Episode betrifft ein Tanzvergnügen in einer der zahlreichen Kirchen von Greeley. Nach dem Abendgottesdienst, so Qutb, dreht der Pastor die Lichter im Pfarrheim herunter und legt eine Aufnahme von "Baby, it´s cold outside" auf, um auch die letzten Mauerblümchen auf die Tanzdiele zu locken: "Der Tanzsaal bebte zu den Tönen des Grammophons und war voller sich verführerisch verschlingender Beine", schrieb Qutb. "Arme umfaßten Hüften, Lippen trafen auf Lippen, Brust schmiegte sich an Brust, und die Atmosphäre war voller Leidenschaft." Greeley mit seinen getrimmten Vorgärten erscheint bei Qutb zwar als "so schön, daß man denken könnte, man sei im Paradies". Metaphysisch aber sind die Mittelwestler obdachlos: "Das wichtigste für diese Leute ist die Gartenpflege, die sie betreiben wie ein Händler seinen Laden in Ordnung hält oder ein Fabrikbesitzer seine Fabrik. Es steckt kein Schönheitssinn oder künstlerischer Geschmack hinter dieser Aktivität. Es ist die Maschinerie der Organisation und des Ordnens, aller Spiritualität und aller ästhetischen Freuden beraubt." Ein andermal schreibt er: "Überall wird gelächelt und überall gibt es ´fun´, und an jeder Ecke Umarmungen und Küßchen. Doch niemals sieht man echte Zufriedenheit auf den Gesichtern." In einem Ton, der nicht von ungefähr an die zeitgleich entstehenden Beobachtungen eines anderen unglücklichen Intellektuellen erinnert - Adornos Minima Moralia -, zeichnet Qutb Amerika als zugleich enthemmt und freudlos, materiell reich und innerlich verarmt, aufgewühlt und geistig flach, demokratisch und doch konformistisch. Qutb, der 1966 von Nasser hingerichtet wurde, war einer der einflußreichsten Intellektuellen des letzten Jahrhunderts. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Chefideologen der Muslimbruderschaft. Sein Werk Meilensteine wurde das Manifest des Islamismus, in dem der Kampf gegen den Westen und seinen Einfluß in der islamischen Welt beschworen wird. Bis heute muß es jeder junge Dschihadist mit geistigem Anspruch lesen. Und weil Qutbs Bild des Westens maßgeblich in Colorado geformt wurde, ist es nicht nur ein Bonmot, von Al Qaidas Wurzeln in Greeley zu sprechen. Qutb war ein Besucher auf Zeit, der nur sechs Monate blieb und nie wieder einen Fuß auf westlichen Boden setzte. Das Bild des dekadenten Westens hat heute auch unter denjenigen Zuspruch, die längst keine Gäste mehr sind und doch Fremde bleiben.
Jörg Lau, Die Muslime und der dekadente Westen

"Sind wir Rom?" fragt der amerikanische Publizist Cullen Murphy in einem Traktat, der im Frühjahr 2007 in den USA für Aufsehen sorgte. Der Vergleich zwischen Rom und Washington (als Synonym des globalen Kapitalismus) ist längst populär. Wie immer, wenn die Früchte von Wachstum und Wohlstand verteilt werden, wachsen auch die globalen Ungleichheiten. Das läßt sich heute an den Schwellen Asiens und im Zentrum des Westens beobachten. Während der Luxus die städtische Bevölkerung Chinas lockt, herrscht auf dem Land Elend und Armut. Und während die Investmentbanker und Vorstände der Unternehmen in New York und London ihre Gehälter in schwindelerregende Höhen treiben, stagnieren die Einkommen der Mittelschichten, und die Zeitungen schreiben über das Prekariat. Es seien die naiven Cheerleader der Globalisierung, welche die Errungenschaften der Globalisierung zu verspielen drohen, warnen Wohlmeinende. Während die westlichen Gegner des weltumspannenden Kapitalismus - von Attac bis zu den christlichen Friedensgruppen - von der Unterstellung leben müssen, der Prozeß der Globalisierung sei unumkehrbar und brauche deshalb ein "humanes Gesicht", geht bei seinen Anhängern die Angst um, blinde Gläubige könnten es mit Lob übertreiben und zugleich die moralische Kraft der Erosion unterschätzen. Die Sicherheit des westlichen Imperiums, von seiner kulturell-liberalen Vielfalt im selben Maße zehrend wie das antike Rom, ist an den Rändern (Afghanistan, Irak) nicht minder gefährdet als in den Zentren (Terror). Der Islam sucht seinen antikapitalistischen Anspruch nicht weniger monopolistisch durchzusetzen als das Christentum der Spätantike. Allemal winkt ein Jenseits als Alternative zum hiesigen Elend und zur westlichen Dekadenz. Gibt es tatsächlich eine strukturelle Unterlegenheit liberaler Toleranzregime gegenüber barbarischer Gewalt oder religiösen Absolutheitsansprüchen? Wo also sind heute die Décadents zu suchen?
Rainer Hank, Der Untergang Roms

Daß die Chancen der Frechheit mit der Ausdehnung der "Normfächerung" (Heinrich Popitz) einer Gesellschaft, der zunehmenden Pluralisierung ihrer Werte und Binnenkulturen steigen, leuchtet unmittelbar ein. Je weniger klar ist, was sich "eigentlich" gehört, desto größer die Erfolgsaussichten der Ungehörigkeit. Andererseits erhöht sich jedoch die Wahrscheinlichkeit, daß der Normbruch gar nicht als solcher wahrgenommen und registriert wird, so daß die Frechheit, um nicht zu verpuffen, sich beständig steigern und intensivieren, also besonders frech sein muß. Dies wiederum vergrößert die Gefahr der Sanktion, gleichzeitig aber auch das Konfliktrisiko eines potentiellen Sanktionierers. Obwohl die Qualität der Normbrüche und auch der Ärger darüber zunimmt, sinkt die Bereitschaft des Eingreifens. Das Ergebnis ist eine Grundstimmung "depressiver Toleranz" (Jürgen Kaube), eine Situation, in der Frechheit und demonstrative Respektlosigkeit allgegenwärtig scheinen und überhandnehmen und trotzdem kaum mehr mit sanktionierenden Reaktionen oder Zurechtweisungen rechnen müssen. Wie ist es dazu gekommen? Maßgeblich scheinen mir hierfür drei längerfristige Entwicklungen zu sein, die, obwohl aus unterschiedlichen Quellen gespeist, sich bereits im Entstehungsprozeß überlagern und in ihren Effekten kumulieren.
Rainer Paris, Frechheit

Berlin ist das Paradebeispiel, wenn eine Stadt von Kleinbürgern definiert wird. Nirgendwo in westlichen Metropolen wird der Ton so sehr von bierbäuchigen, rauchenden Opel-Vectra-Fahrern und ihren bösartigen Kötern gesetzt. In Berlin haben sie weite Teile der Stadt erobert und streiten sich mit anderen dicken, rauchenden, Trainingshosen tragenden Golf-III-Fahrern. Nirgendwo in einer Stadt vergleichbarer Größe sind Kleinwagen dreckiger, weinroter oder lilaer. Nirgendwo sehen Abertausende Menschen so aus, wie in schlechten Sitcoms "Prols" gemeinhin inszeniert werden. Das ist das Ergebnis, wenn sich das Bürgertum selbst abgeschafft hat. Und zwar links wie rechts. Nirgendwo auf der Welt ist das untere Ende des Mittelmaßes so selbstbewußt wie in der deutschen Hauptstadt. West-Berlin war ein Laufstall für Zurückgebliebene. Nach 1945 wurde die gesamte Bundesrepublik ein Hort von Provinzialität. Mit den Nazis begann der Exodus bürgerlicher Werte und Tugenden, Ideen und Visionen. Preußische Disziplin und jüdisches Genie hatten aus dem traditionslosen Kaff zwischen Havel und Spree innerhalb nur eines Jahrhunderts eine Weltstadt mit Sogkraft gemacht. Die Nazis zerstörten beides. Als 1945 die Stadt in Schutt und Asche lag, wurde wieder aufgebaut, doch der Geist war verschwunden. Die Stadt wurde wieder Provinz. Im Westen verließen nach Blockade und Mauer Menschen und Familien mit Zukunft die Stadt. Dafür begann die Invasion der Kriegsdienstverweigerer und Gastarbeiter. Doch nicht die randalierenden Linken und die fremdelnden Anatolier verantworteten den Niedergang der Stadt, sondern das übriggebliebene Klein- und Kleinstbürgertum, das nirgendwo trister und größenwahnsinniger daherkam als in Berlin. Früh verhärmte Frauen in Jeans ohne Po-Taschen, Männer in absurden Westernhemden, Schuhe aus den siebziger Jahren, kombiniert mit Lederschläuchen aus den Achtzigern, knallbunte Brillen und kaum eine Frisur, die nicht an den Look der West-Berliner Fernsehserie Drei Damen vom Grill oder an die Kommissare von DDR-Krimis erinnerte. Es wird gegähnt, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten, in der Nase gebohrt, geschmatzt, geschlürft und geschlurft. Berlin ist ein Musterbeispiel für die Fassungslosigkeit, die droht, wenn Stil von Menschen geprägt wird, die dafür durch Sozialisation, Bildung und Haltung keinerlei Kompetenz oder gar Leidenschaft besitzen. Es fehlen Schulen und Internate, Universitäten und Kirchen, Rudervereine und Arbeiterklubs, in denen die Kleiderordnung eine Identität stiftende Qualität abseits des Funktionalen vorgibt. Grotesk ist, wie sich die Gutmenschen kostümieren. Im Milieu der Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen hat eine Clown-Couture Einzug gehalten, deren Look unseliger Spiegel der materiellen Lebensverhältnisse ist. Mit bunten Filzstoffen, Kaspermützen und Bommelschuhen, irrwitzigen Ohrringen und asymmetrischen Playmobilfrisuren sehen die mittelalten Damen aus wie Wachsstiftzeichnungen ihrer Kinder. Doch zum Lachen ist das nicht. Denn in Kindergärten und Vorschulen, Grund- und Realschulen, Gymnasien und Musikschulen geben solche Frauen den Ton an. Dort wird Kindern beigebracht, daß "oberflächlich" ein Schimpfwort ist und Luxus eine Sünde, in einer ranzigen Mischung aus Verbitterung über die eigene Existenz, übellaunigem Protestantismus und einem von Sozialneid dominierten Linkssein.
Ulf Poschardt, Stil ist die letzte Rebellion

Wer eine Gesellschaft, ob die eigene oder eine fremde, der Dekadenz bezichtigt, begründet diesen Vorwurf fast immer mit einem dort zu beobachtenden Verfall der Ordnung im Geschlechtlichen und der Geschlechterrollen. Mann und Frau werden dabei im Sinne der Dekadenzmetapher stets als grundsätzlich unterschiedliche Organe eines einzigen, gottesebenbildlichen Körpers aufgefaßt, deren Zusammenspiel nur auf eine einzige, gottgewollte Weise die Gesundheit dieses Familien- und das heißt Staatskörpers gewährleistet, während jedwede Abweichung von dieser Norm eine womöglich lebensbedrohliche Erkrankung bedeutet. Allerdings sind die Vorstellungen davon, was zwischen den Geschlechtern und im Geschlechtsleben Ordnung wäre, von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich und mithin wandelbar. Das Dekadente läßt sich nur als das bestimmen, was jenen Dekadenzverdacht erregt, der in den zur Macht Gewillten unwandelbar zu nagen scheint. Dekadent ist, was erwachsene Menschen dazu bringt, ihre Empörung über anderer Leute Lebenswandel hysterisch vorzuweisen. Die Lächerlichkeit des Spießers tötet indes nicht ihn: Wo der Befund der Dekadenz nicht nur von der Geschichte auf die Gegenwart, sondern, im letzten Schritt der Dekadenz des Dekadenzbegriffs, auch vom äußeren und inneren Zustand zeitgenössischer Gesellschaften auf den sittlichen Zustand einzelner ihrer lebenden Mitglieder übertragen wird, muß um sein Leben fürchten, auf wen der Finger zeigt. "Feiglinge und Unzüchtige versenken sie in den Sümpfen", notierte Tacitus achselzuckend über die Germanen; die Nazis in ihrem Wahn, germanisch, vor allem aber keinesfalls dekadent zu sein, nahmen die Textstelle als Ermunterung für ihren Massenmord an Homosexuellen. Auch heute noch riskiert in vielen Ländern Leib und Leben, wer sich jenem Dekadenzvorwurf aussetzt, der unter die Gürtellinie zielt. Mädchen und Frauen, die in den Verdacht vor- oder außerehelichen Geschlechtsverkehrs geraten, werden jährlich zu Tausenden von ihren Angehörigen ermordet. Ihr Verhalten wird als gefährliche ansteckende Erkrankung des Familien- oder Sippenkörpers aufgefaßt, die nur durch Abschneiden des befallenen Gliedes ausgemerzt werden kann. Oder vielmehr aufschlußreicherweise gerade nicht durch Abschneiden des Gliedes, denn die beteiligten Jungen und Männer bleiben meist unbehelligt: Die Vorstellungen davon, welche Geschlechtstätigkeit Kennzeichen eines Sitten- und Werteverfalls sei und zum Siechtum des Gesellschaftskörpers führe, sind unfehlbar von jener patriarchalischen Natur, die dem Phallus als Ausdruck von strotzender Gesundheit größtmögliche Freiheit zugesteht, die Vagina (und erst recht den Anus) aber grundsätzlich als Wunde und Krankheitsherd verdächtigt.
Joachim Helfer, Unter der Gürtellinie

Schon in der großen Erzählung vom Aufstieg und Fall des Römischen Imperiums, der Blaupause für die apokalyptische Kulturkritik von Tacitus bis Rousseau, sind die brandschatzenden Barbarenhorden nicht wirklich das Problem. Sie exekutieren lediglich die Zerstörung am Bau einer Kultur, die diese Zerstörung auch verdient, weil sie ein Übermaß an innerer Fäulnis zugelassen hat. Die Barbaren repräsentieren in dieser Konstellation also ein positives Prinzip, ihre Invasion nährt die Hoffnung auf ein erzwungenes Zurück-zur-Natur und damit auf die Chance für einen kulturellen Neuanfang. Noch die zeitgenössischen Kritiker der Event-, Erlebnis-, Spaß-, Medien- und Konsumgesellschaft sind vom Gedanken an Schuld und Fäulnis durchdrungen: Der typische Klagegesang in Sachen Kultur ist seit Menschengedenken das Lied vom Verfall von innen. Betrachten wir ein typisches Beispiel: Eine englische Adlige des Regency, Lady Morgan, veröffentlichte 1816 ein sehr erfolgreiches Reisebuch über Frankreich mit dem so schlichten wie naheliegenden Titel France, in dem sie ihren Landsleuten die pittoresken Seiten ihres Nachbarlandes schmackhaft zu machen versuchte. Als sie dreizehn Jahre später, nach dem Sieg der Engländer über Napoleon und der darauffolgenden Welle der Anglomanie, zum ersten mal wieder in Calais französischen Boden betrat, war sie schockiert: "Wie Englisch ist hier doch alles geworden. Nirgends mehr wird der Boden mit Sand bestreut, nirgends sieht man fleckiges Parkett. Überall englische Teppiche, englische Sauberkeit, englisches Steingut und englischer Damast; kein Fetzen des alten, groben Drells ist mehr übrig. Die Garcons rufen ´coming up´ ... Keine Kanonenstiefel mehr, keine geflochtenen Zöpfe, keine gepuderten Perücken; nichts, worüber man sich lustig machen, nichts, worüber man sich aufregen könnte ... Ein Glück, daß ich mein Buch geschrieben habe, als Frankreich noch so französisch war." Auch hier sind es nicht die Invasoren, die Anlaß zur Klage geben - es sind die Einheimischen, die dem Druck der zugereisten Engländer nachgeben und dabei ihre eigene kulturelle Identität verraten.
Christian Demand, Die Invasion der Barbaren

Das Bild vom selbstverantwortlichen Individuum, das sein Leben, seine Freiheit und sein Streben nach Glück eigenwillig in die Hand nimmt, stößt bis heute auf Mißtrauen. In der immer noch im Westen geläufigen Individualismuskritik wird das egoistische, gewinn- und zweckorientierte Individuum als Produkt des dekadenten Kapitalismus angeprangert. Das Hohelied auf die Gemeinschaft, das weiträumig angestimmt wird, läuft aber Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Die individuelle Freiheit, als kostbarer Schatz und Errungenschaft der Moderne, ist in der Vergangenheit allzu häufig einem Kollektiv geopfert worden. Das Lob der Umma war auch schon der weitgehend untergegangenen säkularen Religion und den tödlichen Feiern der Gemeinschaft in den Diktaturen des letzten Jahrhunderts eigen: Erfahrungen, die sich Europa eigentlich zu Herzen nehmen sollte. Denn westliche Selbstzweifel, die zum Selbsthaß neigen, sind heute mit einem Haß auf die Dekadenz des Westens konfrontiert, der keine Zweifel und Fragen zuläßt. Es scheint uns wirklich zu gut zu gehen, wenn die eigene Infragestellung so fahrlässig geworden ist, daß die Toleranz sogar die Intoleranz duldet. Also ist es höchste Zeit, sich für das dekadente und säkulare Europa, für die individuellen Freiheiten von Bourgeois und Citoyen in die Bresche zu werfen und die Skepsis wachzuhalten gegenüber Sinnstiftern, die das "gute Leben" in neuen und alten Kollektiven verheißen. Denn, in Raymond Arons Worten, "der Kampf zwischen der Versuchung des Totalitarismus und den liberalen Sehnsüchten dauert an. Er wird ebenso lange fortgesetzt werden, wie unser Auge reicht. Die Freiheiten, deren wir uns erfreuen, behalten im Westen die Zerbrechlichkeit der kostbarsten Errungenschaften der Menschheit."
Ulrike Ackermann, Verteidigung des dekadenten Europa

MERKUR Heft 700, Heft 08, August 2007
broschiert mit Schutzumschlag
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Karl Heinz Bohrer, Siegfried Kohlhammer, Hans Ulrich Gumbrecht, Norbert Bolz, Thomas E. Schmidt, Alexander Demandt, Burkhard Müller, Uwe Simson, Herfried Münkler, Kathrin Passig, Josef Joffe, Gunnar Heinsohn, Jörg Lau, Rainer Hank, Richard Herzinger, Hans-Peter Müller, Ralph Bollmann, Cord Riechelmann, Rainer Paris, Ulf Poschardt, Joachim Helfer, Christian Demand, Gerhard Henschel, Ulrike Ackermann, Karsten Fischer,


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