MERKUR

Heft 07 / Juli 2011

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Hansjörg Küster

Ökologiekolumne . Bürgerbeteiligung

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Zitate:

Wie man Heimat bewahrt, lässt sich wissenschaftlich und rechtlich nicht exakt beschreiben. Dennoch muss das Eintreten für Bewahrung von Heimat im Rahmen einer Bürgerbeteiligung ernst genommen werden, aber nicht dadurch, dass diejenigen, denen Heimat wichtig ist, einen anderen Grund, vor allem aus dem Bereich Natur, vorschieben, damit eine Auseinandersetzung um die Rechtmäßigkeit eines Bauvorhabens möglich wird. Vielmehr muss bei den Emotionen geblieben werden: Es besteht die große Herausforderung, positive Emotionen hervorzurufen, die mit einem Bauvorhaben verbunden werden können. Dies ist bei vorangegangenen Systemwechseln gelungen. Im Zusammenhang mit der Vernetzung von Stadt und Land im 19. Jahrhundert kam das Ideal des Dorfes so gut zur Geltung wie zu keiner anderen Zeit, und der Wohlstand der meisten Menschen mehrte sich. Das schuf Akzeptanz in der Bevölkerung: In erstaunlich kurzen Zeiträumen gelang es damals, die Eisenbahn als ein neuartiges Verkehrsmittel zu etablieren und Strecken zu verlegen, die Tausende von Kilometern lang waren. Bürgerbeteiligung sollte also als Chance verstanden werden, mit der man gemeinsam eine neue Zukunft erreichen kann. Aber in deren Zentrum dürfte dann gerade nicht die Konfrontation stehen, sondern das Bemühen um gegenseitiges Verstehen, um Aufklärung, um das Wecken von Verständnis, gerade auch für systemische Zusammenhänge, in denen unsere Umwelt zu jeder Zeit stand und auch heute steht. Umwelt ist keine Gegenwelt, sondern im Lauf der letzten Jahrtausende immer maßgeblicher von Menschen gestaltet worden. In ihr bestehen Landschaften, die von Natur, menschlicher Nutzung und Ideen oder Metaphern abhängig sind. Wenn die Nutzung verändert wird, entstehen neue Landschaften. Gerade bei einem Übergang von einem Umwelt- oder Landschaftssystem auf ein anderes sollte man auch neugierig sein auf das Neue. Vor allem aber ist das kulturelle Ziel zu verfolgen, ein neues System von Umwelt und Landschaft so aufzubauen, dass wir auch in Zukunft genauso gut oder vielleicht sogar besser leben werden als im System der Gegenwart. Eine gute Bürgerbeteiligung kann dazu beitragen; wir brauchen Experten dazu, die Bürger beteiligen, und Bürger, die bereit sind, auf Neues einzugehen.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 746, Heft 07, Juli 2011
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Georg Franck, Karl Schlögel, Jakob Hessing, Michael Rutschky, Hansjörg Küster, Jürgen Osterhammel, Christian Demand, John Buntin, Walter Grasskamp, Gerwin Zohlen, Friedrich Pohlmann,

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