MERKUR

Heft 05 / Mai 2017

Heft 816

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Zitate aus Merkur, Nr. 816, Mai 2017

Die Radikalisierung [von Wolfgang Streecks] Kapitalismusbegriff, die um die Jahrtausendwende eingesetzt hat, führt nicht, wie man vielleicht vermuten würde, zu einer präziseren Erfassung globaler Komplexität, sondern lediglich zu einer weiteren Vereinfachung. Der Kapitalismus ist eine Planierwalze, die jede Besonderheit plattmacht. Die EU und der Euro gelten Streeck als die radikalste und systematischste Variante dieser globalisierten Verflachung. Und das hat schwerwiegende methodologische Folgen.
Danilo Scholz/Adam Tooze, Für eine Politik der Geldpolitik

Das ist eine politische Hochseilakrobatik, die in der Menschheitsgeschichte beispiellos und nach meiner festen Überzeugung auch kein dauerhaft erfolgversprechendes Geschäftsmodell ist. Die Europäer müssen sich darüber verständigen, was sie eigentlich wollen. Und das fällt ihnen ganz offenkundig außerordentlich schwer.
Navid Kermani/Norbert Lammert, Der Zustand Europas

Fotografie ist nicht mehr allein Handwerk oder Kunst. Das macht sie aber nicht weniger relevant, eher ist das Gegenteil der Fall. Sie ist tragender Teil des Selbstgesprächs der Weltgesellschaft geworden, das Bildarchiv ist keine Schuhschachtel mehr, sondern eine Vielzahl von Erzählungen, die immer weitergehen, auch ohne dich, aber eben über dich hinaus, und das ist gut. Die Stagnation kann dann überwunden werden, wenn die Fotografie die Wucht des technologischen Trends mitnimmt und ihre Eigenschaften als frei transformierbares und rekombinierbares Kommunikationsobjekt mit Metadaten im Netz produktiv macht.
Günter Hack, Melancholie der Bilddatenbank

Meine Computergeschichte beginnt in dem Augenblick, da sich das 18. Jahrhundert unter Strom setzt – und ein Gebilde in die Welt entlässt, das man als »Humanprozessor« bezeichnen könnte. Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Jahr 1746 versammeln sich, unter der Leitung des Abbé Nollet, gut sechshundert Mönche auf einem Feld im Norden Frankreichs und verkabeln einander mit Eisendraht. Als der Kreis geschlossen ist, berührt der Versuchsleiter eine Antenne, die aus einem wassergefüllten Behälter herausragt. Und was passiert? Alle Mönche beginnen zu zucken.
Martin Burckhardt, Eine kleine Geschichte der Digitalisierung

Wenn aber O.J.: Made in America als erfolgreiches réjouer les crimes funktionieren kann, dann nur deshalb, weil Edelman eines begriffen hat und explizit macht: die Tatsache nämlich, dass im Simpson-Prozess nicht ein, sondern zwei Verbrechen zum Gegenstand der Verhandlung wurden, der Doppelmord in Brentwood und die lange, lange Geschichte weißer Polizeigewalt gegen Schwarze in Los Angeles.
Elena Meilicke, Filmkolumne

Natürlich ist die Vergegenwärtigung der Geschichtlichkeit internationaler Ordnungen kein Allheilmittel – egal, ob wir glauben, diese seien an ihr Ende gekommen oder stünden noch an ihrem Anfang. Wenn Staatsmänner allerdings ihre Außenpolitik nur noch im Ad-hoc-Modus auf Twitter oder durch kriegslüsterne Impulstelefonate betreiben, wenn Flüchtlinge nicht mehr als Opfer, sondern als Bedrohung nationaler Sicherheitsbelange ansehen werden, dann könnte es an der Zeit sein, die Wichtigkeit einer »Weltgesellschaft« als Ambition, Mittel und Zweck der Weltpolitik wiederzuentdecken.
Glenda Sluga, Geschichtskolumne

[Ricardo] Piglias Leser sind keine Leseratten – sie lesen nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil sie müssen, weil sie ahnen, dass in ihren Lektüren der verschlüsselte Sinn ihres zukünftigen Schicksals verborgen liegt, den sie notwendigerweise immer zu spät entdecken werden. Die Lektüre wird zur Sucht, die wie eine Droge oder ein Fiebertraum die Wirklichkeit verfälscht – aber gerade darin liegt ihr praktischer (oder unpraktischer) Sinn fürs Leben. Lesen, als wäre es letztes Lesen, immer unzeitgemäß, immer »an der Grenze«.
Samir Sellami, Die Kunst der Selbstauslieferung

Durch das perfekte digitale Bereitstellen verstärkt Google zunächst die Konzentration auf ohnehin bereits omnipräsente Kunstwerke und Institutionen. Trotz des gegenteiligen Versprechens, alles allen zugänglich zu machen, werden Kulturen, die nicht in diesem westlichen Sinn »kunstförmig« sind, zumindest vorläufig noch weiter an den Rand gedrängt. Fragen kann man aber auch nach den impliziten Vorannahmen zur westlichen Kunst selbst: Wie verändern sich die Vorstellungen von europäischer Renaissancekunst, wenn die mehreren Hunderttausend Zeichnungen, Zehntausende Druckgrafiken, Tausende Medaillen, die Goldschmiedewerke usw. alle aufgenommen werden und nicht mehr Gemälde und Skulpturen dominieren?
Ulrich Pfisterer, Big Bang Art History

Kunstwollen ist durch eine Versorgungsmentalität ersetzt, die sozialpolitisch nach innen und kulturpolitisch nach außen wirkt: Theater als Sozialstation gilt der Befriedigung eines soziokulturellen Mainstreams. Statt sich um mehr Kunst zu kümmern, versteifen sich die Bühnen auf den angeblich zwingenden Zusammenhang zwischen moralischem Handeln und ästhetischer Sensibilisierung mit dem sie legitimatorisch punkten wollen.
Stefan Rosinski, Das depressive Staatstheater

Eigentlich verwunderlich, dass der schwangere Bauch nicht schon früher als Fotomotiv entdeckt wurde, bietet er doch eine Fülle von Möglichkeiten, kreativ ins Licht gesetzt zu werden. Kein Fotostudio, das sich diese zwischen Mutterkult, Elternstolz und straff gespannter Erwartung angesiedelte Schwangerschaftserotik entgehen lässt.
Harry Walter, Babybauchfotos

MERKUR Jahrgang 71, Heft 816, Heft 05, Mai 2017
112 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Danilo Scholz, Adam Tooze, Navid Kermani, Norbert Lammert, Günter Hack, Martin Burckhardt, Elena Meilicke, Glenda Sluga, Samir Sellami, Ulrich Pfisterer, Stefan Rosinski, Harry Walter,


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