MERKUR

Heft 04 / April 2011

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Ingo Meyer

Pikturale Kosmologie . Horst Bredekamps »Theorie des Bildakts«

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Zitate:

Horst Bredekamp hat mit seinem neuesten Buch eine systematisierende "Quersumme aus früheren Betrachtungen" vorgelegt, vor allem aber seine erste dezidierte Theorieschrift. Damit ist die Arbeit über die Kunstkammer, die als Bredekamps theoretisch bisher wichtigste Publikation angesehen wurde, abgelöst. So verschieden die Konzeptionen der drei führenden deutschen Kunstwissenschaftler Hans Belting, Gottfried Boehm und Horst Bredekamp sind, gemeinsam ist ihnen der Versuch einer tieferen Erkundung des Bildbegriffs in Richtung einer "Bildgeschichte, die wir noch nicht haben" (Belting). Befindet man sich mit Boehms Umkreisung des nichtprädikativ-deiktischen Bildsinns, der durchaus in Traditionen wie Max Imdahls "Ikonik" als Wissenschaft des inkommensurablen Eigenwerts von Bildern steht, noch in gut hermeneutischen Fahrwassern, blieb Beltings Entwurf besonders ob seiner Entgrenzung des Bildbegriffs, der letztlich jede visuell zugängliche kulturelle Manifestation zu umfassen scheint, nicht unwidersprochen. Bredekamp setzt noch eins drauf, wenn ihm in der vorliegenden Studie "jedwede Form der Gestaltung" als Bild gilt. Er ist originell, versiert und souverän genug, um die Untiefen gängiger ästhetischer Theoriebildung zu umsteuern, denn es ist wahr, Bilder "agieren ... jenseits dessen, was die Theorien der Nachahmung, der Repräsentation und des Konstruktivismus zu erreichen vermögen". Auch beinerne Bildsemiotik und farblose Mediengeschichte zählen bei Bredekamp nicht zu den Königswegen, sie mögen nützlich sein, Bildwissenschaft geht in ihnen nicht auf. Stattdessen nun das Programm einer "bildaktiven Phänomenologie", deren Movens ein spezifischer "Bildakt" sei: Das Buch setzt das "´Bild´ nicht an die Stelle der Wörter, sondern an die des Sprechenden." So aber wird es als handlungsfähig definiert, und schon das ist für nüchterne Geister eine animismusverdächtige Kühnheit. Fraglich ist weiterhin, ob überhaupt der Rückgriff auf das Handlungsparadigma zeitgemäß ist, da heute wohl unstrittig ist, dass sich das der Kommunikation auf breiter Front als überlegen erwiesen hat. Dieses aber ist Bredekamp erkennbar zu unverbindlich, verfügt ihm über zu wenig "potentia", denn Kommunikationen können ignoriert werden, bei Handlungen ist das schon viel schwieriger.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 743, Heft 04, April 2011
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Hermann Lübbe, Georg Franck, Sigbert Gebert, Stephan Wackwitz, Wilfried von Bredow, Otfried Höffe, Jürgen Kaube, Ingo Meyer, Gerhard Henschel, Karl Heinz Bohrer, Reinold Schmücker, Klaus Birnstiel,

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