MERKUR

Heft 04 / April 2011

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Georg Franck

Celebrities: Elite der Mediengesellschaft?

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Zitate:

Die Antwort auf die Frage, ob in den Celebrities die Elite der Mediengesellschaft zu erkennen ist, fällt also eigenartig zwiespältig aus. Einerseits ist Zelebrität der gemeinsame Nenner der heute noch erkennbaren Eliten, andererseits muss Zelebrität nicht durch außerordentliche Leistung in einem anspruchsvollen Metier verdient werden. Auf den Finanzmärkten der Beachtlichkeit treffen und mischen sich die Vertreter der einst sauber getrennten Sparten der hohen und populären Kultur im Buhlen um die Gunst der Investoren. Den Investoren ist die Sparte egal, solange sich die Investition in Sachen Quote lohnt. Die Konkurrenz auf den Finanzmärkten der Beachtlichkeit hat weder den Zweck noch ist sie geeignet, eine Elite auszuwählen. Sie hat nur alle anderen Selektionsmechanismen in der Kraft zu belohnen überflügelt. Was heißt das für den Begriff der Elite? Es heißt, dass der Begriff ganz und gar perspektivisch, in seiner Bedeutung abhängig geworden ist von der persönlichen Lage und sozialen Stellung. Er taugt nicht länger zur Beschreibung eines sozialen Gefälles. Die empirisch manifeste Klasse der Celebrities ist das, was aus der Elite, falls sie je eine soziologisch objektivierbare Kategorie war, geworden ist. Die Suche nach der Elite im hergebrachten Sinn verstellt eher den Blick auf die neue Situation. Charakteristisch für die nachmoderne Gesellschaft ist nicht nur das gedoppelte System gesellschaftlichen Reichtums - das hatte schon Bourdieu gesehen. Charakteristisch ist eine hoch entwickelte kapitalistische Ökonomie auf zweierlei Ebenen: einer materiellen und einer immateriellen. Bourdieu gilt es in dem Punkt fortzuschreiben, nämlich dass der immaterielle Kapitalismus kein bloß gleichsamer, sondern ein Kapitalismus im wörtlichen Sinne ist. In der Mediengesellschaft haben wir es mit einem grundsätzlich veränderten Verhältnis von Kultur und Kommerz zu tun. Der durchkommerzialisierten Sphäre der materiellen Produktion steht hier nicht länger eine Sphäre kultureller Produktion gegenüber, die sich der Kommerzialisierung entzieht, sondern eine Sphäre, die lediglich in einer anderen Währung rechnet. Die Kultur, die durch die neuen Medien vermittelt ist, ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Generierung von Aufmerksamkeitseinkünften. Die Medien selbst fungieren als Märkte mit eigener Währung und eigener Finanzindustrie.

MERKUR Jahrgang 65, Heft 743, Heft 04, April 2011
broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Hermann Lübbe, Georg Franck, Sigbert Gebert, Stephan Wackwitz, Wilfried von Bredow, Otfried Höffe, Jürgen Kaube, Ingo Meyer, Gerhard Henschel, Karl Heinz Bohrer, Reinold Schmücker, Klaus Birnstiel,

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