MERKUR

Heft 03 / März 2017

Heft 814

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 Zitate aus Merkur, Nr. 814, März 2017


Im Gegensatz zur Terminologie der klassischen Ökologie, der eine klare Trennung von Organismus und Umwelt, von Kultur und Natur zugrunde liegt, geht es beim Begriff des Anthropozäns darum, schon diese Trennung als solche in Frage zu stellen. Angesichts der massiven Veränderung des gesamten Lebenssystems der Erde gibt es keine Natur außerhalb des menschlichen Zugriff s mehr. Die traditionelle Vorstellung der »unberührten Wildnis« und des »natürlichen Gleichgewichts«, die für die Anfänge der Umweltschutzbewegung fundamental war, kann heute ad acta gelegt werden.

Eva Horn, Nachhaltigkeit im Anthropozän


Herrschaft ohne Angst ist schwer denkbar, viele zentrale historische Ereignisse können wir ohne den Faktor Angst gar nicht verstehen. Es ist folglich auch kein Zufall, dass sich in der allerersten begrifflichen Analyse der Angst in der westlichen Denktradition – in der Rhetorik des Aristoteles – die Feststellung findet, dass der phobos die Menschen zur Beratung zusammentreibe: die Angst als Ursprung der Politik.

Jens Soentgen, Im Funktionskreis des Feinde


Das Land als Nährboden kommt dagegen nicht vor. Landwirtschaft ist beim »Herzkino« Veredelung, also Pferde- oder Blumenzucht, Brennerei und Fremdenverkehr, oder das Land dient noch indirekter als Stoff für Maler und Schriftstellerinnen (...) Alle diese Betriebe haben eines gemeinsam: Sie stehen kurz vor der Pleite, und sie werden durch die Frau oder den Mann aus der Stadt gerettet. Die neue Geschäftsidee kommt aus den Zentren der Marktwirtschaft und des Consulting.

Wolfgang Kemp, Und immer siegt das Land


Straßen und Wege sind Phänomene, die nicht ohne weiteres als »künstlich« zu identifizieren sind. Sie gehören zur Welt der Kultur; sie entstehen aber mitunter auf einem natürlichen Weg. (Darin ähneln sie den natürlichen Sprachen.) Das lässt sich gut in Parkanlagen beobachten. Aus der Logik heraus, möglichst viele Ziele mit möglichst wenig Wegstrecke zu verbinden, entsteht ein organisches Netzwerk. Diese Netzwerke werden so gut wie nie von der Planung vorhergesehen. Wenn die Planung zu stark von einer ökonomischen Lösung abweicht, legen sich die entstehenden Trampelpfade dezent über das vorhandene Wegenetz, schneiden zu scharfe Kurven, bilden Querverbindungen, alternative Routen. Diese natürlichen Wege verlaufen so gut wie nie gerade; sie neigen dazu, sich in einem Kurvenverlauf einander anzunähern.

Rasmus Althaus, Straßen, Risse, Netze


Die perlige Klangumgebung verführt Sie zum Schreiben und Erfinden, Abarbeiten und Erledigen für Ihren Arbeitgeber. Die Liste der Aufgaben und der überfälligen Lieferungen ist schneller abgehakt als gedacht. Soweit das ideale Bedarfs- und Erfolgsszenario eines Geschäftsmodells, das die Optimierung von Arbeitsumgebungen und die Anregung beruflicher Produktivität mithilfe eingespielter Klänge verspricht.

Holger Schulze, Klangkolumne


Wir leben alle zusehends in Öffentlichkeiten, die verschwindend kleine, wenngleich sich überschneidende Teilöffentlichkeiten sind. Wir hatten »unsere« Blogwelt, und jeder von uns hat heute nur noch »sein« Twitter und vor allem »sein« Facebook mit seinen Freunden und deren Arten, Privates und Öffentliches unterschiedslos unter die Mitleserinnen zu bringen. Dabei wird genau diese alte, einst sehr brauchbare Unterscheidung von öffentlich und privat so unterlaufen, dass die vertrauten Begriffe verwelken, ohne dass schon neue zur Hand sind.

Ekkehard Knörer, Literaturkolumne


Schon die Form des Buchs lässt das erkennen. Seine großen Seiten sehen wie Talmudblätter aus: Um das zentrale Narrativ der Biografie gruppieren sich weitere, typografisch deutlich abgesetzte Texte – zum Teil in den hebräischen Lettern des jiddischen Originals – und begleiten es wie einen Kommentar. Sie beschreiben den historischen und sozialen Hintergrund der Ereignisse; porträtieren bedeutende Personen in Mangers Umfeld; zitieren Korrespondenzen und Kontroversen; bringen Äußerungen über den Dichter und bieten Dokumente zur Rezeption. Der Leser hat die Wahl einer individuellen Lektüre.

Jakob Hessing, Konturen eines Untergangs


Auch über den Fall Reich-Ranicki hinaus verdient dieses historische Gutachten Interesse. Denn es gewährt Einblick in eines der bestgehüteten Geheimnisse der Verlagskommunikation. Wie werden verlagsintern Entscheidungen gefällt und begründet? Welches Manuskript wird angenommen, welcher Buchvertrag geschlossen? In die Arbeit mit welchem Autor wird Zeit und Geld investiert?

Jörg Döring, »Ja, lesen wir hier in der Gartenlaube?«


Seine Großmutter habe beispielsweise kein Wort mehr mit ihrer Schwester geredet, und deshalb, wegen der Schwesternfeindschaft, hätten sie auch ihren Männern untersagt, miteinander zu reden. Er habe nie erfahren, was eigentlich vorgefallen war und warum so ausdauernd geschwiegen wurde. Sein Großvater sei damals ab und zu mit ihm zu zweifelhaften Sportveranstaltungen gegangen, zum Catchen etwa, das ihn als Kind schwer beeindruckt habe, weil bei diesen Unterhaltungsschaukämpfen auch hakenkreuzverzierte, als böse Deutsche verkleidete Kämpfer auftraten. Diese Aktivitäten seien jedoch nur ein Vorwand gewesen, damit die beiden verschwägerten und befreundeten Männer sich heimlich sehen und miteinander reden konnten.

David Wagner, Hausbesuche I


Etwas sich zu einem Schlauch verjüngendes Bauchartiges ist überdies prädestiniert dafür, als Höhle im weitesten Sinn interpretiert zu werden. Was immer durch eine relativ enge Öffnung in etwas weites Inneres führt, darf getrost als etwas Regressives bezeichnet werden. Der Weg in umgekehrter Richtung – aus der Höhle heraus – heißt bekanntlich Erkenntnis.

Harry Walter, Eine Vase

MERKUR Jahrgang 71, Heft 814, Heft 03, März 2017
104 Seiten, broschiert
ISSN: 0026-0096

Autoren in dieser Ausgabe

Eva Horn, Jens Soentgen, Wolfgang Kemp, Rasmus Althaus, Holger Schulze, Ekkehard Knörer, Jakob Hessing, Jörg Döring, David Wagner, Harry Walter,


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